27
Apr 13

Hiatus

Hallo, dieses Blog ist im Winterschlaf. Auf einem Eisberg. Im Polarmeer. Während der Eiszeit. Will sagen: Auf unbestimmte Zeit geschlossen.


08
Sep 11

Safe for Work

Diese Infografik darf man sich ruhig vom Bürostuhl aus ansehen: Welche Web-Videos schauen Amerikaner (laut Eigenauskunft) am Arbeitsplatz? Gefunden beim Videopunk.

 


01
Sep 11

Das Internet, 1901

Also fast. Eher ein Intertelegraphennetz:

This is a map of the Internet in 1901. Surely there was no Internet in 1901? But each technology is built on top of the previous technology, and the Internet is no exception. It was built on top of the telephone network, which was built, in turn, on top of the telegraph network, which already girdled the world by the end of the Victorian era, in 1901. So here it is. The Internet in 1901.

(via Edge, wo es noch mehr tolle Karten für das 21. Jahrhundert gibt.)


23
Aug 11

Wie das PR in die PResse kommt und was wir dagegen tun können

Eigentlich eine Platitüde: Das Internet schafft neue Öffentlichkeiten. Was das aber neben Bürgerjournalismus und Blogosphäre auch bedeutet, illustriert ein gemeinsamer Bericht von ProPublica und dem Columbia Journalism Review in aller Dringlichkeit. John Sullivans True Enough ist ein lesenswerter Überblick über die zweite Blüte der PR-Industrie im digitalen Zeitalter.

Eines wird sehr deutlich: Der digitale Wandel eröffnet nicht nur neue Arenen für den öffentlichen Austausch, er verändert auch die Zusammensetzung der Teilnehmer. Diese Tatsache zeigen beispielsweise Robert McChesney und John Nichols auf, in dem sie die Zahl der Journalisten in den USA mit der Zahl der PR-Agenten vergleichen. 1980 kamen auf 100.000 US-Einwohner 45 PR-Agenten und 36 Journalisten. 2008 waren es 90 PR-Agenten und nur noch 25 Journalisten.

Hauptberufliche Journalisten im Vergleich mit PR-Arbeitern

Die Klage über die Abhängigkeit journalistischer Organisation von der Handfütterung durch PR-Kontakte ist natürlich nicht neu. Neu ist, dass die PR-Agenturen keine willfährigen Journalisten mehr benötigen, um den Standpunkt ihrer Auftraggeber der Öffentlichkeit zu verkaufen. Genau wie die viel gepriesenen Bürgerjournalisten bedient sich die PR-Maschinerie digitaler Distributionskanäle, um in direkten Kontakt mit dem Ziel ihrer Botschaften – an uns, die Konsumenten und Wähler – zu treten.

Leonard Downie Jr., ehemaliger Journalist Washington Post formuliert im Artikel diese Einsicht so:

“Let’s take a hypothetical situation in which there had been no reduction in the media; at the same time, there still would be growth in the ability of public relations people to directly reach the public. They are filling a space that has been created digitally.”

Ein digitales Vakuum also, das von der PR-Industrie mit Luft gefüllt wird. Was offen bleibt, ist die Frage, wie der Übermacht kommerzieller Interessen in der Öffentlichkeit entgegen zutreten ist. Eine mögliche Ableitung: In den USA muss die (finanzielle) Krise des professionellen Journalismus konsequenterweise als Aufforderung an die Zivilgesellschaft verstanden werden, ihren Kampf um die öffentliche Sphäre zu verstärken.

Die Crux ist: Die neuen Veröffentlichungsfreiheiten, der Tanz auf dem Grab der Gatekeeper, die Euphorie über eine wahrhaft demokratische, weil vernetze Öffentlichkeit - all diese digitalen Möglichkeiten beinhalten zugleich die Verantwortung, sie zu nutzen. Die Zivilgesellschaft, wir alle, werden nicht umhinkommen, uns an der öffentlichen Diskussion zu beteiligen. Und zwar nicht als passive Konsumenten von Meinungen, sondern als aktive Lautsprecher.

Viel wurde und wird über das rückständige Selbstbild der Journalisten gejammert: Zu hochnäsig, zu wenig Dialogbereitschaft, nehmen ihre Leser und deren Fachkenntnisse nicht ernst, verschanzen sich hinter ihren Redaktionsschreibtischen. Kurz: Das Publikum ist plötzlich auf Augenhöhe und die Journalisten haben es verschlafen.

Vielleicht ist es an der Zeit, auch mal über das Selbstbild der Mediennutzer nachzudenken. Wie heißt es so schön bei Clay Shirky? “Everyone is a Media Outlet”. Nur: Nehmen wir das auch ernst? Haben die “Menschen, die früher nur im Publikum saßen” (Jay Rosen) ihre neue Rolle als Medienmacher schon wahr- und angenommen?

Denn den 25 einsamen Journalisten muss jemand an die Seite gestellt werden. Klar, niemand kann verlangen, dass Max Mustermann bloggen als neues Hobby entdeckt, zumal nicht auf dem Niveau eines hauptberuflichen, ausgebildeten Journalisten. Aber: Man kann Initiativen wie ProPublica unterstützen, sich bei Flattr anmelden, Nachrichtenströme aggregieren und kuratieren, den eigenen Facebook-Feed nicht zu einer Ansammlung von Katzen-Clips verkommen lassen. Getreu dem Motto: “Sharing is Caring”. Jeder hat etwas zu sagen. Und sich einbringen ist so einfach, man kann flattern, liken, tweeten und neuerdings auch plussen. Wenn wir von uns selbst diese Teilhabe nicht einfordern, versinken wir eines Tages im PR-Strom.

(Zugegeben, in Deutschland, dem Land des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, stellt sich die Situation nicht so drastisch dar wie in den USA. Wie sich dieser Befund als Argument in der Diskussion um die öffentlich-rechtliche Expansion im Internet auswirkt, darüber denken wir ein anderes mal nach.)


21
Jul 11

“You know nothing of my work!”

Heute wäre Marshall McLuhan 100 Jahre alt geworden. Die Geburtstag-Laudatio hält Tom Wolfe, mit einem Vortrag über die öffentliche Person McLuhan und seine Thesen:

Das Video ist von Marshall McLuhan Speaks, dort gibt es noch mehr Material, inkl. vieler Videos mit McLuhan selbst. Das Nieman Lab ehrt den Vordenker der Medientheorie zusätzlich mit einer Mini-Serie. Damit sein Werk endlich besser verstanden wird.


18
Jul 11

Was keiner wissen darf: Kino.to-Nutzer gehen oft ins Kino

Bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) lagert eine Studie zum Medienkonsum von Kino.to-Nutzern mit unangenehmen Ergebnissen im Giftschrank – das soll ein anonymer Mitarbeiter Telepolis verraten haben. Laut der Quelle gehen die Nutzer von Kino-to häufiger ins Kino und kaufen mehr DVDs als der durchschnittliche Konsument. Damit habe man nicht gerechnet, und deswegen blieben die Ergebnisse erstmal in der Schublade.

Scheinbar hat die Inhalte-Industrie also bei der GfK eine Studie bestellt, deren Ergebnis leider die ökonomischen Argumente gegen ein restriktives Urheberrechtssystem stützen. Denn die besagen ja, dass die erweiterte Verbreitung von Filmen durch P2P-Netze und Streaming-Seiten entscheidend zu ihrer Popularität und letztlich zu ihrem geschäftlichen Erfolg beitragen.

Dass dieses Ergebnis nicht gewollt ist, ist klar. Stimmen die Vorwürfe, reicht die wissenschaftliche Redlichkeit der Marktforscher von der GfK also genau bis zum Interessenkonflikt mit den Geldgebern. Zeit für neue Geschäftsmodelle, in der Filmindustrie wie in der Marktforschung.

(Siehe dazu auch: Hatte Kino.to mehr Nutzer als alle andere deutschen Video-Seiten?)


20
Jun 11

Videogames Rule the Entertainment World

Alter Hut, aber schön aufbereitet: Videogames schlagen Blockbuster in den USA regelmäßig mit ihren Umsatzzahlen in der Release-Woche. 2011 wird da wohl keine Ausnahme bilden. Die gesamten Videospiel-Umsätze lagen 2010 auch in Deutschland vor den Umsätzen mit Kinotickets.

(via Spreeblick)


08
Jun 11

Hatte Kino.to mehr Nutzer als alle anderen deutschen Video-Seiten?

Jahrelang konnte sich jeder auf Kino.to mit wenigen Klicks aktuellste Filme und Serien auf den eigenen Rechner streamen. Einzige Bedingung: Ein installierter Divx-Player und das Geschick um abstruse Pop-Ups herum zu navigieren. Dieser – je nach eigenem Standpunkt paradiesische oder auch untragbare – Zustand ist jetzt Geschichte. Seit gestern erscheint auf www.kino.to dieser Hinweis (Klick vergrößert):

Kino.to am 2011-06-08 um 14.04.59

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Ermittlungen wegen des Verdachts der “Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerblichen Begehung von Urheberrechtsverletzungen” aufgenommen. 13 Menschen sind bereits verhaftet, eine weitere Person wird mit Haftbefehl gesucht. Die Domain www.kino.to ist bis auf weiteres beschlagnahmt. Um die Schwere des Delikts zu unterstreichen, hat die Staatsanwaltschaft Zahlen zur Nutzung des Streaming-Portals veröffentlicht: Vier Millionen Besucher täglich sollen den Hauptbeschuldigten siebenstellige Gewinne beschert haben, berichtet SpOn.

Ebenfalls gestern hat Comscore aktuelle Zahlen zum Online-Video-Konsum in Deutschland veröffentlicht. Dort werden leider seit letzten Jahr keine Filehoster mehr aufgeführt, in vorigen Jahren lag Megavideo beispielsweise noch weit vorne. Mit den Zahlen der Staatsanwaltschaft  lässt sich dennoch diese Modellrechnung aufstellen:

Geht man davon aus, dass vier Millionen tägliche Nutzer vorsichtig geschätzt täglich mindestens vier Mio. Videos auf Kino.to schauen, kann man von monatlich mindestens 120 Mio. über Kino.to generierten Video-Abrufen ausgehen (Kino.to hat ja nie selbst Videos gehostet, wie die Betreiber immer wieder gerne erwähnt haben. Genützt hat es aber nichts.). Vergleicht man diese Zahl mit den Video-Abrufen, die Comscore für deutsche Video-Plattformen ermittelt hat, sieht das so aus:

Es wird schnell klar: Kino.to dürfte hinter dem Online-Video-Giganten Youtube (a.k.a. “Google Sites”) das zweitgrößte Video-Portal gewesen sein. Die erste deutsche Konkurrenz sind die P7S1-Seiten (Maxdome, prosieben.de, etc…), die zusammen auf 106 Mio. Video-Abrufe im April kamen.

Diese Erkenntnis deckt sich mit einem Chart von Bertram Gugel, das über Google Trends die Beliebtheit von Kino.to aufzeigt. Die Analyse verdeutlicht, dass sich die Seiten der privaten Fernsehsender gegenüber dem Filehoster Megavideo und der Linksammlung von Kino.to nicht absetzen können:

 

Der Wegfall von Kino.to dürfte unmittelbar eine Umwälzung des Online-Video-Markts mit sich bringen. Generell ist jetzt eine gute Chance, einige der digitalen Schwarzseher von den Vorteilen legaler Streaming-Portale zu überzeugen. Dazu bedarf es aber eines attraktiven Portals, das ähnlich viele Filme wie Kino.to anbietet und möglichst einfach zu bedienen ist.

Hier zeigt sich, was die vertane Chance, ein deutsches Hulu an den Start zu bringen, für die Marktentwicklung bedeutet: Bei den sendereigenen Mediatheken herrscht weiter Fragmentierung, die Privaten zeigen zudem kaum Filme online. Und VoD-Portale wie Maxdome und Bitbop leiden weiter unter ihrer schlechten Bedienbarkeit oder  geringen Titelauswahl.

Und ganz generell: Wer Serien und Filme auch auf Englisch schaut, dem steht weiterhin eine große Auswahl an Quellen in der rechtlichen Grauzone zur Verfügung, die über ein riesiges Portfolio verfügen und geringe bis keine Kosten für die Nutzer verursachen. Ausserdem hat die Erfahrung bisher immer gezeigt: Verklagst du ein Napster, machen morgen drei bessere auf.

UPDATE:

Mehr zur Arbeitsweise von Kino.to gibt es in diesem Interview auf Netzfeuilleton. Marcel Weiss sieht ebenfalls die Analogie zu Napster. Und wer jetzt Angst hat, bald Post von der umtriebigen Staatsanwaltschaft Dresden zu bekommen, der sollte sich diesen Kommentar der Kanzlei Kompa durchlesen, der zwar juristisch keine Entwarnung gibt, faktisch aber Verfolgungsprobleme sieht.


30
Mai 11

Berlin: Touris überall

Wer Touri-Gegenden beim Städte-Trip unbedingt vermeiden will, sollte sich mal den Flickr-Stream von Eric Fisher ansehen. Er hat sich von Reise-Metropolen wie New York, London und Paris die Fotos angesehen, die Besucher und Bewohner aus diesen Städten auf Flickr veröffentlich haben.

Mit Hilfe der GPS-Daten der Fotos kann er auf Stadtkarten zeigen, welche Gegenden besonders stark von Besuchern frequentiert werden und wo sich die Locals tummeln. Woher weiß Fisher, wer Touri ist und wer nicht? Als Besucher (auf den Karten rot) hat er alle gezählt, die im Zeitraum von maximal einem Monat Fotos aus einer Stadt veröffentlichten, alle anderen sind Bewohner (blau).

Eine Karte für Berlin hat Fisher auch angefertigt. In der Hauptstadt sind die Pfade der Berliner und der Berlin-Besucher anders als in anderen Städten fast deckungsgleich. Entweder kennen sich die Berlin-Touristen sehr gut aus oder die Berliner sind nicht besonders kreativ in ihrer Freizeitgestaltung.

Locals and Tourists #13 (GTWA #5): Berlin

Die Bilder zeigen eins ganz deutlich: Mit den digitalen Möglichkeiten schrumpft der Wissensvorsprung der Bewohner. Geheimtipps bleiben nicht lange geheim: Ob man bewusst darauf verzichtet, Fotos vom nettesten Spree-Winkel in Berlin hochzuladen oder sich aktiv an der digitalen Vermessung der Welt beteiligt, spielt weniger und weniger eine Rolle. Digitale Spuren hinterlässt man im Kollektiv meist doch. Die kreativsten Daten-Sammler können daraus dann solche Karten basteln.


11
Mai 11

Schwedische Eiche

Eher am Rande fasst Petra Hesser, IKEA-Chefin in Deutschland, in den aktuellen Media Perspektiven (3/2011, S. 139) zusammen, warum sie keine Angst vor der zunehmenden Alterung der Bevölkerung hat:

“Das hieße ja, dass sich der Wohngeschmack mit zunehmendem Alter zwangsläufig der Eiche-Anbauwand annähert. Das ist keineswegs so. Wir stellen fest, dass Leute, die mit IKEA aufgewachsen sind, die Marke auch noch gut finden, wenn sie älter geworden sind.”

Moment, hiesse das nicht, IKEA ist die neue Anbauwand aus Eiche?