Journalismus


13
Jul 10

Globalisierung und Medienwandel sind Realität. Zeit, dass sich der Journalismus ihnen stellt.

Wenn uns die Finanzkrise eines vorgeführt hat, dann, dass Globalisierung vor allem wechselseitige Verwundbarkeit bedeutet. (…)

Es braucht einen Journalismus, der es wieder wagt, mit guten Gründen zu misstrauen. Denn nur so ist eine Krise des Vertrauens, wie sie im Moment besteht, zu vermeiden: indem wir rechtzeitig und begründet Zweifel äußern. (…)

Und hier braucht es einen Journalismus, der die Anderen nicht nur als Andere begreift, sondern diese Verwobenheit auch abbildet; der die Anderen als Eigene thematisiert – weil sie ein Recht haben, an den Diskussionen beteiligt zu werden, die sie selbst betreffen.

via taz.de

Carolin Emcke über die Anforderungen an Journalismus in der globalisierten Realität. Kürzer und eingängiger wurden die demokratischen Defizite, die durch nationalstaatlich orientierte Öffentlichkeiten in einer fragmentierten Medienwelt entstehen, bisher nicht beschrieben.


12
Apr 10

Womit schlägt der Fischhändler in Zukunft bloß seine Ware ein?

(via Thomas Knüwer)


8
Mrz 10

Mediagazer – TechMeme für die Medienbranche

Mediagazer Logo

Rivva und TechMeme helfen einem schnell weiter, wenn man einen knappen Überblick über die neuesten Nachrichten aus der Tech-Ecke bekommen möchte. Das gleiche bietet jetzt Mediagazer für die US-Medienbranche an, eine neu entwickelte Webseite aus dem Hause TechMeme.

Der Nachrichten-Aggregator wird vollautomatisch die Storys der größeren Medienblogs und -Nachrichtenseiten abgreifen und nach Backlinks und Tweets gewichten.

So soll laut der Mitbegründerin und ersten Redakteurin (also doch: eine Redaktion) Megan McCarthy eine Karte der US-Medienlandschaft entstehen. Das kann ganz praktisch sein, man sieht schnell welche Story am meisten Widerhall findet, welche Nachrichtenseiten sie kommentiert haben, und wie die letzten Entwicklungen aussehen.

Bei der Auswahl der Geschichten soll vor allem der Punkt Medienwandel und die daraus resultierenden notwendigen Anpassungen der Medienbranche im Vordergrund stehen. Das iPad und andere Tech-News  begegnen einem also auch auf Mediagazer, zusammen mit Business-News und klassischem Medienjournalismus.

Wichtig für alle aufstrebenden A-Blogger: Es wird auch ein “Leaderboard” geben – ähnlich wie bei TechMeme und Rivva – das die wichtigsten Quellen nach der Anzahl ihrer verlinkten Storys auflistet. Das besonders unter Medienleuten beliebte Schaulaufen der Eitelkeiten ist also eröffnet. Anpassen müssen sich eventuell auch RomeneskoMediaite und andere US-Medienblogs, die als Nachrichten-Aggregatoren überflüssig werden, falls Mediagazer Erfolg haben sollte.

Und ich bin gespannt, ob das etwas unübersichtliche, weil immense Angebot an Medien-Nachrichtenseiten aus den USA mit Mediagazer etwas übersichtlicher wird. Nötig wär’s.

(via Gawker)


28
Jan 10

Arte Themenabend “Journalismus auf Abwegen”

Arte knüpft sich am 9. Februar die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter vor. Der dreiteilige Themenabend scheint sich darauf zu konzentrieren, was die Schattenseiten sind, wenn jeder im Inernet ungefragt und ungeprüft seine Meinung publizieren kann.

“Dadurch, dass es für jedermann möglich ist, per Internet ungebremst und ohne Prüfung des Wahrheitsgehalts seine Meinung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie gar als Nachricht zu tarnen, werden die Arbeitsbedingungen für seriöse Journalisten immer schwieriger. Wer sind die Meinungsmacher heute?”, fragt Journalismus auf Abwegen.

Und zur gleichen Zeit (der Arte-Programm-Guide gibt mir Rätsel auf) erklärt Verloren im Nachrichtendschungel: “Denn auf Tausenden von Webseiten und Blogs werden zahllose mehr oder weniger gut recherchierte Informationen, Gerede und Gerüchte verbreitet. In diesem allgemeinen Informationsdurcheinander erlangt die Meinung eines Ideologen oder Aktivisten nicht selten den gleichen Stellenwert wie die eines Experten, eines anerkannten Wissenschaftlers oder Forschers.”

Immerhin dürfen sich die Journalisten im Anschluss auch noch selbst bezichtigen: “Der ehemalige Chefredakteur des großen französischen Wochenmagazins “L’Express”, Denis Jeambar, hat neun Kollegen aufgefordert, in seiner Dokumentation ihrem Unmut über den Niedergang des seriösen Journalismus freien Lauf zu lassen. Die prominenten Medienvertreter enthüllen sämtliche Auswüchse des Nachrichtengeschäfts und fordern eine Rückkehr zu den journalistischen Grundprinzipien.”

Arte Themenabend Journalismus, Dienstag, 9. Februar 2010

(via DVG)


1
Dez 09

The New News Audience

Der Wandel des amerikanischen Nachrichtenpublikums, in Zahlen gefasst vom PEW Research Center:

Die deutsche Perspektive gibt es bei Hugo E. Martin, der die Ergebnisse der JIM-Studie über das Informationsverhalten und die Mediennutzung deutscher Teenager zusammengefasst hat.


12
Nov 09

Lieber Günter Wallraff,

Blackface” ist laut The Daily Show kein investigatives Reportage-Werkzeug (ab Minute 5:00).

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Is Blackface Ever OK?
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political Humor Health Care Crisis

Wallraff dagegen ist – so ihr Film gerade im Kino läuft – ein durchaus akzeptables Halloween-Kostüm.


4
Nov 09

Krise? Welche Krise?

Daniel Gross argumentiert auf Slate.com, dass die Krise der Tageszeitungen in den USA im Moment vor allem zyklisch verschärft wird. Sobald sich das Konsumklima wieder dreht, könnten sich die Kostensenkungen und die gesteigerte Profitabilität in wachsenden Gewinnen niederschlagen.

Innerhalb des letzten Jahres hätten einige Zeitungsunternehmen den turn-around geschafft. Sie haben ihre Abhängigkeit vom Werbemarkt durch gesteigerte Erträge aus dem Geschäft mit Abonnements und Einzelverkäufen reduziert. Und dass, obwohl gleichzeitig die Auflagen gefallen sind. Ein Beispiel liefert die New York Times, schreibt Gross:

“So in the past six months, according to ABC, the New York Times daily circulation fell 7.3 percent, while Sunday circulation was down 2.7 percent. Horreur! And yet, the New York Times Co. reported that in the third quarter, ‘circulation revenues rose 6.7 percent, mainly because of higher subscription and newsstand prices at The New York Times and The Boston Globe.’ In the quarter, circulation revenues were larger than advertising revenues for the first time—$175.25 million, compared with $164.5 million.”

Steile These. Dass die New York Times die Erträge aus dem Lesermarkt steigern konnte, ist natürlich eine gute Nachricht. Leider muss man im selben Geschäftsbericht auch lesen, dass die Einnahmen aller Geschäftsbereiche um 16,9% gefallen sind. Das heißt, die gesteigerte Ertragsfähigkeit im Lesermarkt kann den Absturz der Werbeinnahmen nicht ausgleichen.

Die Frage ist darum: welchen Anteil hat der zyklische Wirtschaftsabschwung am Rückgang der Auflage? Ryan Chittum (CJR Blog) hat dazu eine klare Meinung: Die Leser kommen nicht mehr wieder, selbst wenn der Aufschwung da ist. Denn:

“[T]his is a cyclical downturn on top of a secular one, and the circulation declines are far greater than any on record going back to early World War II.”

Historische Auflagen der US-Zeitungen – Für Vergrößerung klicken

Die Leserschaft der Zeitungen ist in den USA schon lange vor der Wirtschaftskrise 2008/2009 zurückgegangen. 1940 ist das einzige Jahr, in dem die Zahlen der NAA tiefer sind als 2009 – in diesem Jahr begann die NAA mit der Auflagenzählung. Die langfristigen Verschiebungen durch Digitalisierung und veränderte Nutzungsgewohnheiten werden durch die aktuelle Krise beschleunigt. Es gab schon vor der Wirtschaftskrise eine Zeitungskrise. Das ist nicht wirklich umstritten.

Das Problem dabei ist einfach, dass die US-Zeitungen pro Leser mehr Umsatz mit Anzeigen gemacht haben, als mit dem Vertrieb (CJR schätz grob, dass pro Dollar aus dem Vertrieb, drei bis vier Werbe-Dollar in die Kassen geflossen sind). Will man bei weniger Lesern zu früheren Umsätzen zurück, muss man den Umsatz aus dem Vertrieb um einen ungleich höheren Faktor steigern. Bei einem 3:1 Verhältnis von Werbungs- zu Vertriebserlösen und einem gleichzeitigen Auflagenrückgang um 10% beispielsweise um ganze 44% (eigene Berechnung).

Deswegen lassen sich die Werbeumsätze kaum mit Vertriebsumsätzen aufwiegen, zumal die meisten Einsparungspotentiale auf der Kostenseite bereits ausgeschöpft sind. Irgendwer muss schon noch im Newsroom das Licht an- und ausmachen. Man kann natürlich auch die Zeitung verteuern, was aber meist einen Auflagenrückgang mit sich bringt.

Ergo? Mehr Umsätze aus dem Vertrieb können nur ein Teil der Lösung sein. Wenn man ausschließlich die Erlösstruktur betrachtet, kommt man dem Problem der Zeitungen nicht nah genug. Das Geschäftsmodell der Zeitungen steht auf allen Ebenen zur Disposition: Vom Nutzenversprechen, über die Zusammenstellung und Distribution der Inhalte, bis zum Erlösmodell. Das sollten alle Lösungsansätze zumindest anerkennen.

UPDATE:

Das Wall Street Journal sieht die Sache ähnlich. Wie dringend das Problem ist, zeigt der Auflagenverlauf der großen Tageszeitungen in den USA in den letzten zehn Jahren (via The Guardian):

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US newspaper circulation graph. Illustration: The Awl (from Audit Bureau of Circulations data)


14
Okt 09

Drüber gestolpert I

“Wenn man sich die deutsche Zeitungslandschaft anschaut, wie sie sich in den Zahlen von Schütz (2001) spiegelt, wird das Ausmaß deutlich, in dem durch Produktdifferenzierung der Eindruck von Vielfalt entsteht: 136 Publizistische Einheiten mit jeweils unterschiedlichem aktuell-politischen Nachrichten- und Informationsteil auf den ersten Seiten werden von 356 Verlagen als Herausgebern zu 1584 Ausgaben für ganz Deutschland gespreizt, indem Titel, Lokal- und Regionalteile variiert werden.”

– Prof. Dr. Marie Luise Kiefer, “Medienökonomik”, Oldenbourg: München, 2005, S. 95.


7
Okt 09

Lustige Ideen von der Weihnachtsfeier

Wenn Kulturkritiker selbst zur Klampfe greifen, schreiben dann die Musiker die Verrisse?

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Nein, das ist kein Witz. Ja, die Medienkrise fordert von jedem ein Opfer. Demnächst: der Sport-Redakteur jongliert Fußbälle auf der Bühne, das Politik-Ressort macht satirisches Kabarett, der Kolumnist gibt Lebenshilfe-Tipps. Und das Feuilleton schreibt: “Unbedingt empfehlenswert.”

Und was sagt der Rheinische Merkur zum Liebeslieder-Abend? „Noch nie ist das Hohe Lied der Liebe so tief gefallen.“

(via Medienspiegel via Edition Epoca)


6
Okt 09

Ist Journalismus im Web finanzierbar?

Der elektrische Reporter bringt die wesentlichen Standpunkte zusammen:

Im Rahmen der Diskussion sei auch gleich mal auf den Carta Text von Till Kreutzer über den Sinn und Unsinn von Leistungsschutzrechten für Verlage verwiesen.