Ökonomisches


18
Jul 11

Was keiner wissen darf: Kino.to-Nutzer gehen oft ins Kino

Bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) lagert eine Studie zum Medienkonsum von Kino.to-Nutzern mit unangenehmen Ergebnissen im Giftschrank – das soll ein anonymer Mitarbeiter Telepolis verraten haben. Laut der Quelle gehen die Nutzer von Kino-to häufiger ins Kino und kaufen mehr DVDs als der durchschnittliche Konsument. Damit habe man nicht gerechnet, und deswegen blieben die Ergebnisse erstmal in der Schublade.

Scheinbar hat die Inhalte-Industrie also bei der GfK eine Studie bestellt, deren Ergebnis leider die ökonomischen Argumente gegen ein restriktives Urheberrechtssystem stützen. Denn die besagen ja, dass die erweiterte Verbreitung von Filmen durch P2P-Netze und Streaming-Seiten entscheidend zu ihrer Popularität und letztlich zu ihrem geschäftlichen Erfolg beitragen.

Dass dieses Ergebnis nicht gewollt ist, ist klar. Stimmen die Vorwürfe, reicht die wissenschaftliche Redlichkeit der Marktforscher von der GfK also genau bis zum Interessenkonflikt mit den Geldgebern. Zeit für neue Geschäftsmodelle, in der Filmindustrie wie in der Marktforschung.

(Siehe dazu auch: Hatte Kino.to mehr Nutzer als alle andere deutschen Video-Seiten?)


18
Sep 10

Gewinn pro Mitarbeiter: Google liegt vorn

Umsatz pro Mitarbeiter

Update: Die Grafik ist (für mich) missverständlich aufgebaut. Google hat pro Mitarbeiter den höchsten Profit – Microsoft macht mit den meisten Mitarbeitern aber insgesamt den größten Gewinn. Apple liegt dazwischen. Danke, Stefan.

Mehr Zahlen (vor allem zu Google) gibt es hier.


16
Jan 10

ACTA auf dem Podium

Das Anti-Counterfeiting-Trade-Agreement ist das am besten versteckte, aber eigentlich öffentliche, weil alle und jeden betreffende, Handels- und Urheberrechtsabkommen. Ist ACTA ein Versuch, hinter verschlossenen Türen der digitalen Gesellschaft die Wünsche der Inhalteindustrie aufzudrücken? Ist es ein gerechtfertigter Eingriff in unsere Privatsphäre, wenn wir an der Grenze den Inhalt unserer Festplatte und andere Datenträger dem Zoll zeigen müssen? Was sind die Kehrseiten dieser Politik der Rechteinhaber? Wie hängen virtuelle Güter und reale Vorleistungen zusammen?
Diese und weiterführende Fragen werden auf dieser Podiumsdiskussion in Washington, D.C. in aller Ausführlichkeit besprochen:

(via Boing Boing)


4
Nov 09

Krise? Welche Krise?

Daniel Gross argumentiert auf Slate.com, dass die Krise der Tageszeitungen in den USA im Moment vor allem zyklisch verschärft wird. Sobald sich das Konsumklima wieder dreht, könnten sich die Kostensenkungen und die gesteigerte Profitabilität in wachsenden Gewinnen niederschlagen.

Innerhalb des letzten Jahres hätten einige Zeitungsunternehmen den turn-around geschafft. Sie haben ihre Abhängigkeit vom Werbemarkt durch gesteigerte Erträge aus dem Geschäft mit Abonnements und Einzelverkäufen reduziert. Und dass, obwohl gleichzeitig die Auflagen gefallen sind. Ein Beispiel liefert die New York Times, schreibt Gross:

“So in the past six months, according to ABC, the New York Times daily circulation fell 7.3 percent, while Sunday circulation was down 2.7 percent. Horreur! And yet, the New York Times Co. reported that in the third quarter, ‘circulation revenues rose 6.7 percent, mainly because of higher subscription and newsstand prices at The New York Times and The Boston Globe.’ In the quarter, circulation revenues were larger than advertising revenues for the first time—$175.25 million, compared with $164.5 million.”

Steile These. Dass die New York Times die Erträge aus dem Lesermarkt steigern konnte, ist natürlich eine gute Nachricht. Leider muss man im selben Geschäftsbericht auch lesen, dass die Einnahmen aller Geschäftsbereiche um 16,9% gefallen sind. Das heißt, die gesteigerte Ertragsfähigkeit im Lesermarkt kann den Absturz der Werbeinnahmen nicht ausgleichen.

Die Frage ist darum: welchen Anteil hat der zyklische Wirtschaftsabschwung am Rückgang der Auflage? Ryan Chittum (CJR Blog) hat dazu eine klare Meinung: Die Leser kommen nicht mehr wieder, selbst wenn der Aufschwung da ist. Denn:

“[T]his is a cyclical downturn on top of a secular one, and the circulation declines are far greater than any on record going back to early World War II.”

Historische Auflagen der US-Zeitungen – Für Vergrößerung klicken

Die Leserschaft der Zeitungen ist in den USA schon lange vor der Wirtschaftskrise 2008/2009 zurückgegangen. 1940 ist das einzige Jahr, in dem die Zahlen der NAA tiefer sind als 2009 – in diesem Jahr begann die NAA mit der Auflagenzählung. Die langfristigen Verschiebungen durch Digitalisierung und veränderte Nutzungsgewohnheiten werden durch die aktuelle Krise beschleunigt. Es gab schon vor der Wirtschaftskrise eine Zeitungskrise. Das ist nicht wirklich umstritten.

Das Problem dabei ist einfach, dass die US-Zeitungen pro Leser mehr Umsatz mit Anzeigen gemacht haben, als mit dem Vertrieb (CJR schätz grob, dass pro Dollar aus dem Vertrieb, drei bis vier Werbe-Dollar in die Kassen geflossen sind). Will man bei weniger Lesern zu früheren Umsätzen zurück, muss man den Umsatz aus dem Vertrieb um einen ungleich höheren Faktor steigern. Bei einem 3:1 Verhältnis von Werbungs- zu Vertriebserlösen und einem gleichzeitigen Auflagenrückgang um 10% beispielsweise um ganze 44% (eigene Berechnung).

Deswegen lassen sich die Werbeumsätze kaum mit Vertriebsumsätzen aufwiegen, zumal die meisten Einsparungspotentiale auf der Kostenseite bereits ausgeschöpft sind. Irgendwer muss schon noch im Newsroom das Licht an- und ausmachen. Man kann natürlich auch die Zeitung verteuern, was aber meist einen Auflagenrückgang mit sich bringt.

Ergo? Mehr Umsätze aus dem Vertrieb können nur ein Teil der Lösung sein. Wenn man ausschließlich die Erlösstruktur betrachtet, kommt man dem Problem der Zeitungen nicht nah genug. Das Geschäftsmodell der Zeitungen steht auf allen Ebenen zur Disposition: Vom Nutzenversprechen, über die Zusammenstellung und Distribution der Inhalte, bis zum Erlösmodell. Das sollten alle Lösungsansätze zumindest anerkennen.

UPDATE:

Das Wall Street Journal sieht die Sache ähnlich. Wie dringend das Problem ist, zeigt der Auflagenverlauf der großen Tageszeitungen in den USA in den letzten zehn Jahren (via The Guardian):

US-newspaper-circulation--001

US newspaper circulation graph. Illustration: The Awl (from Audit Bureau of Circulations data)


22
Okt 09

Drüber gestolpert II

“An interesting detail in these figures is the stratification of income among different types of users: the average income of passive spectators of usergenerated content sites is significantly higher than the median income of content creators. In other words, the contingent of spectators and inactives, which is much larger than the 13 percent of actual creators, constitutes an appealing demographic to site owners and advertisers. […] Manifestos such as Wikinomics and ‘We-Think’ make one believe that, since every user is an active, creative contributor, the very idea of ‘consumer’ is definitely passé. The term ‘user’ turns out to be a catch-all phrase covering a wide range of behaviour, from merely clicking to blogging and uploading videos. Mass creativity, by and large, is consumptive behaviour by a different name.”

José Van Dijck and David Nieborg: “Wikinomics and its discontents: a critical analysis of Web 2.0 business manifestos”, In: New Media & Society 2009; 11; S. 861.


14
Okt 09

Drüber gestolpert I

“Wenn man sich die deutsche Zeitungslandschaft anschaut, wie sie sich in den Zahlen von Schütz (2001) spiegelt, wird das Ausmaß deutlich, in dem durch Produktdifferenzierung der Eindruck von Vielfalt entsteht: 136 Publizistische Einheiten mit jeweils unterschiedlichem aktuell-politischen Nachrichten- und Informationsteil auf den ersten Seiten werden von 356 Verlagen als Herausgebern zu 1584 Ausgaben für ganz Deutschland gespreizt, indem Titel, Lokal- und Regionalteile variiert werden.”

– Prof. Dr. Marie Luise Kiefer, “Medienökonomik”, Oldenbourg: München, 2005, S. 95.


6
Okt 09

Ist Journalismus im Web finanzierbar?

Der elektrische Reporter bringt die wesentlichen Standpunkte zusammen:

Im Rahmen der Diskussion sei auch gleich mal auf den Carta Text von Till Kreutzer über den Sinn und Unsinn von Leistungsschutzrechten für Verlage verwiesen.


22
Jun 09

Keine Strategie schadet manchmal auch nicht

Newsweek hat gerade gerelauncht, Time bereitet einen neuen Auftritt vor. Die Umstellungen kommen spät und vor dem Hintergrund fallender Werbeaufwendungen in wöchentlichen Nachrichtenmagazinen in den USA.

Dass es auch anders geht, zeigt der Economist, der im amerikanischen Markt in den letzten Jahren viele Leser gewonnen hat. Ob die etablierten Magazine diesen Erfolg wiederholen können, darf aber angezweifelt werden. Der Economist hat sich als globales Leitmedium für eine internationale Leserschaft positioniert, deren Interesse an der Welt weit über den Horizont des Heimatlandes hinausgeht. Diese Nische ist gut besetzt.

Ausserdem profitiert eins der dienstältesten Magazine der Welt von der nicht-vorhandenen Web-Strategie vergangener Jahre. Paradox? Nicht, wenn man Michael Hirschorn und Bob Cohn vom Atlantic-Magazin über den Niedergang des großen amerikanischen Nachrichtenmagazins diskutieren hört.

Der ganze Artikel ist hier.


28
Apr 09

Drei Mal gegen den Untergang

Drei Leseempfehlungen zur Krise der Zeitungshäuser, die den scheinbar einhelligen Tenor vom Untergang der gedruckten Zeitung in Frage stellen:


17
Mrz 09

State of the News Media 2009

Der jährliche Report zur Situation der Nachrichtenmedien in den USA ist online. Keine großen Überraschungen, alles ist noch schlimmer als letztes Jahr.

2008:
„The hope that Internet advertising will someday match what print and television now bring in appears to be vanishing … The entire business model of journalism may be in flux in a few years.“

2009:
„It is now obvious that if the news business is to survive in any recognizable form it must invent a new economic model in which traditional advertising is at best only part of the revenue equation.“
“There is, in short, a long way to go for news economics online, and abundant reasons for concern about whether it will ever happen.”