Online


1
Apr 10

Das schlechte Gedächtnis von YouTube

Weder Googles CEO Eric Schmidt noch YouTube-Mitbegründer Chad Hurley haben ein gutes Gedächtnis wenn es um den Hintergrund der Übernahme von YouTube durch Google geht: Viele E-Mails aus dieser Zeit sind in den digitalen Papierkorb gewandert.

Das ist ein Ergebnis des Gerichtsverfahrens, das die amerikanische Medien-Firma Viacom 2007 gegen Google angestrengt hat. In dem Verfahren, in dem es um Urheberrechtsverletzungen von YouTube geht, sind vergangene Woche einige brisante Dokumente für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Diese sollen beweisen, dass das Videoportal nicht nur den Upload illegaler Inhalte ermöglicht hat, sondern diese Uploads auch noch förderte.

Slate hat die Einzelheiten.

“Internal e-mails from the site’s early days strongly suggest that Hurley and his co-founders—Steve Chen and Jawed Karim—were aware of a lot of infringing content on the site but decided to ignore much of it in order to keep YouTube growing.”

Was für die YouTube-Gründer eine Episode der Vergangenheit ist, könnte für den heutigen Betreiber – Google – ein Problem werden. Der Slate-Autor Farhad Manjoo nennt die ganze Geschichte darum “YouTubes Erbsünde”.

Ein Beispiel aus dem internen E-Mail-Verkehr belegt, dass sich die Gründer bewusst waren, dass illegale Inhalte mehr Traffic bringen, weswegen sie diese Inhalte nur zögerlich von der Seite nahmen:

“In an e-mail (PDF) sent in September 2005, for instance, Hurley complains that the site is “starting to get out of control with copyrighted material” and adds that “we may need to start enforcing restrictions soon.” Chen disagreed: “I’m thinking it’s still okay,” he responded, explaining that taking down copyrighted videos would result in a 20 percent fall in traffic. “I’d hate to prematurely attack a problem and end up just losing growth due to it.” The partners go on to discuss the various kinds of infringing material on the site and arrive at an informal, “really lax” policy for what to remove and what to keep:”Take down whole movies, take down entire TV shows, take down XXX stuff,” Chen decides, but “everything else keep including sports, commercials, news, etc.”"

Wahrscheinlich sind die ersten Wachstumsschübe eines jeden Start-Ups erstmal chaotisch – problematisch werden diese Entscheidungen dann aber spätestens, wenn man das Start-Up für 1,65 Milliarden US-$ (in Google-Aktien) verkauft. Sollte Viacom erfolgreich sein, droht vielen weiteren nutzergenerierten Webseiten eine Klagewelle, die bislang unter dem Digital Millenium Copyright Act geschützt waren. Aber, wie Steve Chen sagen würde: Wachstum geht vor. Auch wenn er sich daran jetzt einfach nicht mehr erinnern kann.


30
Jan 10

Kostenloses E-Book zum Thema Netzneutralität

Beim Thema Netzneutralität geht es um die Fähigkeit von Internet Service Providern (ISPs), bestimmte Kunden oder Internet-Anwendungen zu benachteiligen, indem ihre Verbindungsgeschwindigkeiten gedrosselt oder ihre Verbindungen gleich ganz gekappt werden.

Das ist zum Beispiel ein Problem für P2P-Netze, die viel Datenverkehr verursachen und darum bei den ISPs nicht gut gelitten sind. Andersherum könnten die ISPs auch für den schnelleren Zugang zu beliebten Seiten wie YouTube eine zusätzliche Abgabe von Endkunden oder Anbietern verlangen. Die Vertreter von strikter Netzneutraliät fordern deshalb, dass jeder Datenverkehr im Internet neutral und damit gleich behandelt wird.

Christopher Marsden hat einen guten Überblick zum Thema geschrieben, indem er auf technische Hintergründe sowie ökonomische und politische Konsequenzen der Debatte eingeht. Und das ganze erfreulicherweise mit einem Fokus auf die Entwicklung in Europa. Sein Buch Net Neutrality hat Bloomsbury vorbildlich unter einer CC-Lizenz als kostenloses PDF zur Verfügung gestellt.

Marsden schaut dabei über das markt-radikale Paradigma der neoklassischen Ökonomie hinaus, fällt aber auch nicht in die Falle der Web-Evangelisten, für die alle Information frei sein muss. Seine eigene Position ist so etwas wie ein mittlerer Weg, der Netzneutralität als Verbraucherschutzthema und Gegenstand der Medienpolitik verortet. Dass er damit niemanden glücklich macht, weiss er selber,  sieht aber keine andere pragmatische Lösung.

Hier ist ein Ausschnitt aus der Einleitung über die gesellschaftlichen Implikationen der Debatte:

“The network neutrality debate is only in part about economics and technology, despite what you might surmise from various pro-competitive statements by academics and the shape of the US and European debates. The extent to which even lawyers have been drawn into an open-ended debate regarding the merits of duopoly versus inset competition in telecoms, or the relative merits of open interoperable software environments versus proprietary property rights-based or corporate developments, or the benefi ts of endto- end ‘dumb’ networks versus intelligent networks, displays the capture of the subject by economists and corporate technologists. The issues at stake are more fundamental to society than that. As a lawyer who has written for over a decade in favour of pro-competitive telecoms and media policy, I am not ashamed or abashed to state that I emphasize that communications policy is about fundamental rights of citizens as well as public welfare for consumers, and that it is about educated and informed users as well as optimally priced access networks. In short, what is needed is a balanced approach towards network neutrality as a central plank of a converged communications policy, ideally one which tries to both increase competitive choices for consumers as well as ensure the fundamental right for citizens to access the public Internet.” – Christopher T. Marsden: Net Neutrality – Towards a Co-regulatory Solution, London: Bloomsbury Academic, 2009, S. 1.


29
Nov 09

Wie demokratisiert man Aufmerksamkeit?

Danah Boyd schreibt über die gesellschaftlichen Möglichkeiten, die durch die Beseitigung von Gatekeepern im Internet entstehen:

“Switching from a model of distribution to a model of attention is disruptive, but it is not inherently democratizing. This is a mistake we often make when talking about this shift. We may be democratizing certain types of access, but we’re not democratizing attention.”

Wir bewegen uns auf eine Welt zu, in der alles (potentiell) öffentlich ist, weil jeder im Internet Publizität herstellen kann. Veröffentlichung ist kein Relevanzkriterium mehr. Wer warum welche Informationen wahrnimmt, hängt damit wesentlich von anderen Faktoren als Öffentlichkeit ab.

Bloß: Diese Faktoren sind nicht in sich selbst demokratisch. Aufmerksamkeit folgt keinen meritokratischen Auswahlkriterien, sondern unterliegt strukturellen Vorbedingungen, die in die Analyse der Informationsflüsse einbezogen werden müssen. Die Fähigkeit, Relevanz herzustellen, ist ein Machtinstrument, das durch die Vielzahl der Informationen im Netz an Bedeutung gewinnt.

Eine umfassende Analyse muss darum folgendes miteinbeziehen: Welche Knotenpunkte im Informationsnetzwerk verfügen über kommunikative Macht (siehe Manuel Castells)? Welche Dynamiken formen die Diskussion über ein Thema, und wie wählen Menschen ihre Informationsquellen aus (siehe z.B. Cass Sunstein)?

Um die ideale demokratische Ausgestaltung der vernetzten Informationsgesellschaft (siehe Yochai Benkler) zu bestimmen, muss die Struktur der Online-Öffentlichkeit erst noch erforscht werden. Die Demokratisierung von Aufmerksamkeit ist dabei eine zentrale Frage.


21
Sep 09

Manhattans, Martinis und Madison Avenue

Nirgendwo wird im amerikanischen Fernsehen so viel geraucht und gesoffen wie bei Mad Men. Besuch vom Boss? Erstmal eine Zigarette anmachen. Oh, es ist schon Nachmittag? Let’s pour a Scotch.

Die großartige Serie hat erneut bei den Emmy Awards Erfolg gehabt, und wurde dieses Jahr unter anderem ausgezeichnet als Best Drama Series. Als Ehrung für Don Draper, den genialsten Werbe-Texter im Manhattan der Sixties, und alle seine Kollegen bei Sterling Cooper, hier die besten Mad Men Parodien:

Wir starten mit der Kurzzusammenfassung, Mad Men in 60 Sekunden:

Weiter geht es mit Meshugene Men, das die Charaktere aus ihren Rollen als prototypische WASPs schlüpfen lässt. Mazel Tow!

Jon Hamm, der mit seiner Rolle als Don Draper emotional zurück gebliebene Männer wieder attraktiv gemacht hat, war auch schon zu Gast bei Saturday Night Live. Der erste Skit ist ein bißchen zum Warm laufen.

Nach dieser Fingerübung kommen wir jetzt mit Don Drapers Anleitung zum Frauen verführen zur Königsdisziplin.

Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Mad-Men-Today-Parodien. FunnyOrDie verlegt Sterling Cooper nach Boston, und ersetzt die stilvollen Gentlemen mit fluchenden, Budweiser saufenden Proleten.

Dann gibt es noch die Mad Men als Social-Media-Marketer, die beim Gedanken an Viral Videos ganz ekstastisch werden. Die Parodie ist natürlich Werbung für eine Werbeagentur, aber sei’s drum (Einbetten deaktiviert).

Und als Bonus hier noch die steile These, das die fallende Silhouette aus dem Vorspann auf einem der bekanntesten Fotos vom 11. September basiert – dem Falling Man von Richard Drew.

Und wer sich jetzt fragt, wo man das Original sehen kann, Mad Men läuft in Deutschland bisher nur auf dem Bezahlsender FOX.

(H/T NewTeeVee)

Reblog this post [with Zemanta]

UPDATE:
Wenn man es in die Sesamstraße schafft, gehört man offiziell zum Fernsehadel:


21
Sep 09

New York Post: “We’re Screwed!”

Die Medien-Aktivisten The Yes Men haben wieder zugeschlagen. Nachdem im letzten Jahr am 4. Juli eine gefälschte New York Times in Umlauf gebracht wurde, in der nur Nachrichten standen, die die beiden Medien-Guerilla schon immer einmal gedruckt lesen wollten, musste heute das Boulevardblatt New York Post aus dem Hause Rupert Murdochs dran glauben.

Und diesmal sollen alle Fakten echt sein. Die gesamte gefälschte Ausgabe ist dem Kampf gegen den Klimawandel gewidmet – einem Thema, zu dem sich die Blattmacher bisher immer mit umgekehrtem Vorzeichen geäußert hatten.

Hier das komplette Video (via Urban Prankster):

“SPECIAL EDITION” NEW YORK POST from The Yes Men on Vimeo.

Update: Die dazugehörige Website ist hier.

Reblog this post [with Zemanta]

20
Sep 09

Google startet neuen Nachrichten-Aggregator

Google Fast Flip heißt die neue Seite, die wichtige amerikanische Nachrichtenseiten auf einen Blick versammelt. Die neuesten Artikel werden in ihrem Original-Seitendesign abgebildet, die Nutzer können so in kürzester Zeit knapp Vierzig Nachrichtenquellen durchstöbern.

Sichtbar ist anscheinend immer die jeweils erste Seite einer Nachricht, will man die Artikel zur Gänze lesen, muss man zur Original-Seite weiter. Während der Burda Verlag gerade erst mit dem Google-News-Klon Nachrichten.de gestartet ist, ist Google selbst schon wieder ein Stück weiter. Dazu kommt: Google will die Verlagshäuser am erwirtschafteten Umsatz beteiligen, schreibt die NZZ.

Fast Flips ist noch im Beta-Stadium (den Google Labs), und auch nur für amerikanische Nachrichtenquellen verfügbar, überzeugt aber trotzdem schon durch Handlichkeit und Auswahl der Artikel. Wer schnell die Leitmedien in den USA durchblättern will, ist bei Google Fast Flip gut aufgehoben.

Reblog this post [with Zemanta]

3
Sep 09

Wie man bei Google News ganz oben landet

Der Algorithmus, der über die Platzierung von Artikeln auf Google News entscheidet, hat einige Vorlieben. Dabei wird meinem Empfinden nach mehr Wert auf inhaltliche Kriterien gelegt, als beim herkömmlichen Google Suchalgorithmus.

So ist zum Beispiel Page Rank, das die Bedeutung einer Seite in den auf die Seite verweisenden Links misst, grundsätzlich weniger einflussreich. Dafür kann Google News zum Beispiel die Quellenangabe “berichtet Der Spiegel” in anderen Artikeln identifizieren, und die Spiegel-Geschichte an die erste Stelle in der Ergebnisliste setzen. Satire- oder Meinungsartikel nimmt Google News in die Auswahl auf, setzt sie aber nicht auf den ersten Platz in den Ergebnisse – hier stehen nur trockene Faktenmeldungen.

Mehr dazu in diesem fünfzehn-Minuten Video, in dem die Google-Mitarbeiterin Maile Ohye weitere Prinizipien der Nachrichtenauswahl auf Google News erläutert:

Gefunden beim Nieman Journalism Lab, das auch gleich ein Transkript der Fünfzehn Minuten mitliefert.


28
Apr 09

Drei Mal gegen den Untergang

Drei Leseempfehlungen zur Krise der Zeitungshäuser, die den scheinbar einhelligen Tenor vom Untergang der gedruckten Zeitung in Frage stellen:


22
Nov 08

Wie man Piraten das Wasser abgräbt

Und zwar den metaphorischen, nicht den echten, vor der somalischen Küste auf Öltanker lauernden, das erklärt Matt Mason in “The Pirate’s Dilemma“. Das Buch versammelt viele Beispiele für die kulturellen und ökonomischen Wirkungen von geistiger und materieller Piraterie, meist mit einer klar positiven Einstellung gegenüber den Piraten und ihrem Tun.

Kulturell wird alles von den Punks, Fanzines und der Do-it-yourself-Bewegung über HipHop, Mixtapes und Samples bis zur Open-Source-Gesellschaft abgehandelt. Und natürlich wird auch auf die Musik- und Filmindustrie eingegangen – immer mit der These, dass Piraterie gesamtgesellschaftlich ein wertvolles Marktkorrektiv darstellt, da sie bestehende Ungleichgewichte verlagern kann. Wenn angegriffene Unternehmen mit den Piraten in ihren Gewässern konkurrieren, dann sei das schlecht für die Piraten, aber  besser für alle anderen, schreibt Mason.

Sehr viel neues gibt es nicht zu entdecken, aber als Überblick eignet sich die Zusammenstellung recht gut. Das Buch gibt es, na klar, auch als Piratenversion als Download. Den Preis kann man selbst bestimmen.


29
Okt 08

On-Demand-Media zum Aufhängen

Die BBC hat Anfang 2008 eine Studie zu den veränderten Mediennutzungsgewohneiten ihrer Nutzer durchgeführt:

“we studied how people find, play, personalise and share programmes across different devices and services – like BBC iPlayer, Sky+, YouTube, peer-to-peer and traditional TV and radio.”

Die Ergebnisse sind in zwei Illustrationen verpackt worden, die es in die ein oder andere Powerpoint-Präsentation schaffen dürften.

Continue reading →