Akademisches


21
Jul 11

“You know nothing of my work!”

Heute wäre Marshall McLuhan 100 Jahre alt geworden. Die Geburtstag-Laudatio hält Tom Wolfe, mit einem Vortrag über die öffentliche Person McLuhan und seine Thesen:

Das Video ist von Marshall McLuhan Speaks, dort gibt es noch mehr Material, inkl. vieler Videos mit McLuhan selbst. Das Nieman Lab ehrt den Vordenker der Medientheorie zusätzlich mit einer Mini-Serie. Damit sein Werk endlich besser verstanden wird.


13
Jul 10

Globalisierung und Medienwandel sind Realität. Zeit, dass sich der Journalismus ihnen stellt.

Wenn uns die Finanzkrise eines vorgeführt hat, dann, dass Globalisierung vor allem wechselseitige Verwundbarkeit bedeutet. (…)

Es braucht einen Journalismus, der es wieder wagt, mit guten Gründen zu misstrauen. Denn nur so ist eine Krise des Vertrauens, wie sie im Moment besteht, zu vermeiden: indem wir rechtzeitig und begründet Zweifel äußern. (…)

Und hier braucht es einen Journalismus, der die Anderen nicht nur als Andere begreift, sondern diese Verwobenheit auch abbildet; der die Anderen als Eigene thematisiert – weil sie ein Recht haben, an den Diskussionen beteiligt zu werden, die sie selbst betreffen.

via taz.de

Carolin Emcke über die Anforderungen an Journalismus in der globalisierten Realität. Kürzer und eingängiger wurden die demokratischen Defizite, die durch nationalstaatlich orientierte Öffentlichkeiten in einer fragmentierten Medienwelt entstehen, bisher nicht beschrieben.


30
Jan 10

Kostenloses E-Book zum Thema Netzneutralität

Beim Thema Netzneutralität geht es um die Fähigkeit von Internet Service Providern (ISPs), bestimmte Kunden oder Internet-Anwendungen zu benachteiligen, indem ihre Verbindungsgeschwindigkeiten gedrosselt oder ihre Verbindungen gleich ganz gekappt werden.

Das ist zum Beispiel ein Problem für P2P-Netze, die viel Datenverkehr verursachen und darum bei den ISPs nicht gut gelitten sind. Andersherum könnten die ISPs auch für den schnelleren Zugang zu beliebten Seiten wie YouTube eine zusätzliche Abgabe von Endkunden oder Anbietern verlangen. Die Vertreter von strikter Netzneutraliät fordern deshalb, dass jeder Datenverkehr im Internet neutral und damit gleich behandelt wird.

Christopher Marsden hat einen guten Überblick zum Thema geschrieben, indem er auf technische Hintergründe sowie ökonomische und politische Konsequenzen der Debatte eingeht. Und das ganze erfreulicherweise mit einem Fokus auf die Entwicklung in Europa. Sein Buch Net Neutrality hat Bloomsbury vorbildlich unter einer CC-Lizenz als kostenloses PDF zur Verfügung gestellt.

Marsden schaut dabei über das markt-radikale Paradigma der neoklassischen Ökonomie hinaus, fällt aber auch nicht in die Falle der Web-Evangelisten, für die alle Information frei sein muss. Seine eigene Position ist so etwas wie ein mittlerer Weg, der Netzneutralität als Verbraucherschutzthema und Gegenstand der Medienpolitik verortet. Dass er damit niemanden glücklich macht, weiss er selber,  sieht aber keine andere pragmatische Lösung.

Hier ist ein Ausschnitt aus der Einleitung über die gesellschaftlichen Implikationen der Debatte:

“The network neutrality debate is only in part about economics and technology, despite what you might surmise from various pro-competitive statements by academics and the shape of the US and European debates. The extent to which even lawyers have been drawn into an open-ended debate regarding the merits of duopoly versus inset competition in telecoms, or the relative merits of open interoperable software environments versus proprietary property rights-based or corporate developments, or the benefi ts of endto- end ‘dumb’ networks versus intelligent networks, displays the capture of the subject by economists and corporate technologists. The issues at stake are more fundamental to society than that. As a lawyer who has written for over a decade in favour of pro-competitive telecoms and media policy, I am not ashamed or abashed to state that I emphasize that communications policy is about fundamental rights of citizens as well as public welfare for consumers, and that it is about educated and informed users as well as optimally priced access networks. In short, what is needed is a balanced approach towards network neutrality as a central plank of a converged communications policy, ideally one which tries to both increase competitive choices for consumers as well as ensure the fundamental right for citizens to access the public Internet.” – Christopher T. Marsden: Net Neutrality – Towards a Co-regulatory Solution, London: Bloomsbury Academic, 2009, S. 1.


29
Nov 09

Wie demokratisiert man Aufmerksamkeit?

Danah Boyd schreibt über die gesellschaftlichen Möglichkeiten, die durch die Beseitigung von Gatekeepern im Internet entstehen:

“Switching from a model of distribution to a model of attention is disruptive, but it is not inherently democratizing. This is a mistake we often make when talking about this shift. We may be democratizing certain types of access, but we’re not democratizing attention.”

Wir bewegen uns auf eine Welt zu, in der alles (potentiell) öffentlich ist, weil jeder im Internet Publizität herstellen kann. Veröffentlichung ist kein Relevanzkriterium mehr. Wer warum welche Informationen wahrnimmt, hängt damit wesentlich von anderen Faktoren als Öffentlichkeit ab.

Bloß: Diese Faktoren sind nicht in sich selbst demokratisch. Aufmerksamkeit folgt keinen meritokratischen Auswahlkriterien, sondern unterliegt strukturellen Vorbedingungen, die in die Analyse der Informationsflüsse einbezogen werden müssen. Die Fähigkeit, Relevanz herzustellen, ist ein Machtinstrument, das durch die Vielzahl der Informationen im Netz an Bedeutung gewinnt.

Eine umfassende Analyse muss darum folgendes miteinbeziehen: Welche Knotenpunkte im Informationsnetzwerk verfügen über kommunikative Macht (siehe Manuel Castells)? Welche Dynamiken formen die Diskussion über ein Thema, und wie wählen Menschen ihre Informationsquellen aus (siehe z.B. Cass Sunstein)?

Um die ideale demokratische Ausgestaltung der vernetzten Informationsgesellschaft (siehe Yochai Benkler) zu bestimmen, muss die Struktur der Online-Öffentlichkeit erst noch erforscht werden. Die Demokratisierung von Aufmerksamkeit ist dabei eine zentrale Frage.


26
Sep 09

Der Monty Burns von Harvard

Jedes Jahr belegen knapp tausend Harvard-Studenten die Vorlesung von Michael J. Sandel über Moral, Ethik und Gerechtigkeit. Prof. Sandel gibt diese Vorlesung seit dreissig Jahren. Gerüchteweise saßen schon die Simpsons-Autoren im Auditorium, und verewigten den Professor als Monty Burns im Pop-Universum, schreibt die New York Times in einem längeren Artikel.

Dabei steht das Verhalten vom Kraftwerk-Magnaten in Springfield natürlich diametral zu den von Prof. Sandel gepredigten Werten. Die beiden teilen also nur das Aussehen. Vielleicht lässt sich der Professor  ja dazu hinreißen, den Simpsons-Charakter in seiner Vorlesung als Anti-Beispiel einzubauen.

Grandioserweise hat sich Harvard dazu entschlossen, den beliebten Kurs per Internet und Fernsehen fei zugänglich zu machen. Der Professor wird professionell ausgeleuchtet, und zusätzliches Material zur Vorlesung wird auch bereit gestellt. Es gibt auch ein neues Buch, ganz uneigennützig handeln also selbst Moralphilosophen nicht.

Hier ist das Video von der Einführung, der gesamte Kurs ist hier zu finden.


17
Mrz 09

State of the News Media 2009

Der jährliche Report zur Situation der Nachrichtenmedien in den USA ist online. Keine großen Überraschungen, alles ist noch schlimmer als letztes Jahr.

2008:
„The hope that Internet advertising will someday match what print and television now bring in appears to be vanishing … The entire business model of journalism may be in flux in a few years.“

2009:
„It is now obvious that if the news business is to survive in any recognizable form it must invent a new economic model in which traditional advertising is at best only part of the revenue equation.“
“There is, in short, a long way to go for news economics online, and abundant reasons for concern about whether it will ever happen.”


29
Okt 08

On-Demand-Media zum Aufhängen

Die BBC hat Anfang 2008 eine Studie zu den veränderten Mediennutzungsgewohneiten ihrer Nutzer durchgeführt:

“we studied how people find, play, personalise and share programmes across different devices and services – like BBC iPlayer, Sky+, YouTube, peer-to-peer and traditional TV and radio.”

Die Ergebnisse sind in zwei Illustrationen verpackt worden, die es in die ein oder andere Powerpoint-Präsentation schaffen dürften.

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