Rechteckiges


21
Jul 11

“You know nothing of my work!”

Heute wäre Marshall McLuhan 100 Jahre alt geworden. Die Geburtstag-Laudatio hält Tom Wolfe, mit einem Vortrag über die öffentliche Person McLuhan und seine Thesen:

Das Video ist von Marshall McLuhan Speaks, dort gibt es noch mehr Material, inkl. vieler Videos mit McLuhan selbst. Das Nieman Lab ehrt den Vordenker der Medientheorie zusätzlich mit einer Mini-Serie. Damit sein Werk endlich besser verstanden wird.


18
Jul 11

Was keiner wissen darf: Kino.to-Nutzer gehen oft ins Kino

Bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) lagert eine Studie zum Medienkonsum von Kino.to-Nutzern mit unangenehmen Ergebnissen im Giftschrank – das soll ein anonymer Mitarbeiter Telepolis verraten haben. Laut der Quelle gehen die Nutzer von Kino-to häufiger ins Kino und kaufen mehr DVDs als der durchschnittliche Konsument. Damit habe man nicht gerechnet, und deswegen blieben die Ergebnisse erstmal in der Schublade.

Scheinbar hat die Inhalte-Industrie also bei der GfK eine Studie bestellt, deren Ergebnis leider die ökonomischen Argumente gegen ein restriktives Urheberrechtssystem stützen. Denn die besagen ja, dass die erweiterte Verbreitung von Filmen durch P2P-Netze und Streaming-Seiten entscheidend zu ihrer Popularität und letztlich zu ihrem geschäftlichen Erfolg beitragen.

Dass dieses Ergebnis nicht gewollt ist, ist klar. Stimmen die Vorwürfe, reicht die wissenschaftliche Redlichkeit der Marktforscher von der GfK also genau bis zum Interessenkonflikt mit den Geldgebern. Zeit für neue Geschäftsmodelle, in der Filmindustrie wie in der Marktforschung.

(Siehe dazu auch: Hatte Kino.to mehr Nutzer als alle andere deutschen Video-Seiten?)


20
Jun 11

Videogames Rule the Entertainment World

Alter Hut, aber schön aufbereitet: Videogames schlagen Blockbuster in den USA regelmäßig mit ihren Umsatzzahlen in der Release-Woche. 2011 wird da wohl keine Ausnahme bilden. Die gesamten Videospiel-Umsätze lagen 2010 auch in Deutschland vor den Umsätzen mit Kinotickets.

(via Spreeblick)


8
Jun 11

Hatte Kino.to mehr Nutzer als alle anderen deutschen Video-Seiten?

Jahrelang konnte sich jeder auf Kino.to mit wenigen Klicks aktuellste Filme und Serien auf den eigenen Rechner streamen. Einzige Bedingung: Ein installierter Divx-Player und das Geschick um abstruse Pop-Ups herum zu navigieren. Dieser – je nach eigenem Standpunkt paradiesische oder auch untragbare – Zustand ist jetzt Geschichte. Seit gestern erscheint auf www.kino.to dieser Hinweis (Klick vergrößert):

Kino.to am 2011-06-08 um 14.04.59

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Ermittlungen wegen des Verdachts der “Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerblichen Begehung von Urheberrechtsverletzungen” aufgenommen. 13 Menschen sind bereits verhaftet, eine weitere Person wird mit Haftbefehl gesucht. Die Domain www.kino.to ist bis auf weiteres beschlagnahmt. Um die Schwere des Delikts zu unterstreichen, hat die Staatsanwaltschaft Zahlen zur Nutzung des Streaming-Portals veröffentlicht: Vier Millionen Besucher täglich sollen den Hauptbeschuldigten siebenstellige Gewinne beschert haben, berichtet SpOn.

Ebenfalls gestern hat Comscore aktuelle Zahlen zum Online-Video-Konsum in Deutschland veröffentlicht. Dort werden leider seit letzten Jahr keine Filehoster mehr aufgeführt, in vorigen Jahren lag Megavideo beispielsweise noch weit vorne. Mit den Zahlen der Staatsanwaltschaft  lässt sich dennoch diese Modellrechnung aufstellen:

Geht man davon aus, dass vier Millionen tägliche Nutzer vorsichtig geschätzt täglich mindestens vier Mio. Videos auf Kino.to schauen, kann man von monatlich mindestens 120 Mio. über Kino.to generierten Video-Abrufen ausgehen (Kino.to hat ja nie selbst Videos gehostet, wie die Betreiber immer wieder gerne erwähnt haben. Genützt hat es aber nichts.). Vergleicht man diese Zahl mit den Video-Abrufen, die Comscore für deutsche Video-Plattformen ermittelt hat, sieht das so aus:

Es wird schnell klar: Kino.to dürfte hinter dem Online-Video-Giganten Youtube (a.k.a. “Google Sites”) das zweitgrößte Video-Portal gewesen sein. Die erste deutsche Konkurrenz sind die P7S1-Seiten (Maxdome, prosieben.de, etc…), die zusammen auf 106 Mio. Video-Abrufe im April kamen.

Diese Erkenntnis deckt sich mit einem Chart von Bertram Gugel, das über Google Trends die Beliebtheit von Kino.to aufzeigt. Die Analyse verdeutlicht, dass sich die Seiten der privaten Fernsehsender gegenüber dem Filehoster Megavideo und der Linksammlung von Kino.to nicht absetzen können:

 

Der Wegfall von Kino.to dürfte unmittelbar eine Umwälzung des Online-Video-Markts mit sich bringen. Generell ist jetzt eine gute Chance, einige der digitalen Schwarzseher von den Vorteilen legaler Streaming-Portale zu überzeugen. Dazu bedarf es aber eines attraktiven Portals, das ähnlich viele Filme wie Kino.to anbietet und möglichst einfach zu bedienen ist.

Hier zeigt sich, was die vertane Chance, ein deutsches Hulu an den Start zu bringen, für die Marktentwicklung bedeutet: Bei den sendereigenen Mediatheken herrscht weiter Fragmentierung, die Privaten zeigen zudem kaum Filme online. Und VoD-Portale wie Maxdome und Bitbop leiden weiter unter ihrer schlechten Bedienbarkeit oder  geringen Titelauswahl.

Und ganz generell: Wer Serien und Filme auch auf Englisch schaut, dem steht weiterhin eine große Auswahl an Quellen in der rechtlichen Grauzone zur Verfügung, die über ein riesiges Portfolio verfügen und geringe bis keine Kosten für die Nutzer verursachen. Ausserdem hat die Erfahrung bisher immer gezeigt: Verklagst du ein Napster, machen morgen drei bessere auf.

UPDATE:

Mehr zur Arbeitsweise von Kino.to gibt es in diesem Interview auf Netzfeuilleton. Marcel Weiss sieht ebenfalls die Analogie zu Napster. Und wer jetzt Angst hat, bald Post von der umtriebigen Staatsanwaltschaft Dresden zu bekommen, der sollte sich diesen Kommentar der Kanzlei Kompa durchlesen, der zwar juristisch keine Entwarnung gibt, faktisch aber Verfolgungsprobleme sieht.


28
Jan 10

Arte Themenabend “Journalismus auf Abwegen”

Arte knüpft sich am 9. Februar die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter vor. Der dreiteilige Themenabend scheint sich darauf zu konzentrieren, was die Schattenseiten sind, wenn jeder im Inernet ungefragt und ungeprüft seine Meinung publizieren kann.

“Dadurch, dass es für jedermann möglich ist, per Internet ungebremst und ohne Prüfung des Wahrheitsgehalts seine Meinung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie gar als Nachricht zu tarnen, werden die Arbeitsbedingungen für seriöse Journalisten immer schwieriger. Wer sind die Meinungsmacher heute?”, fragt Journalismus auf Abwegen.

Und zur gleichen Zeit (der Arte-Programm-Guide gibt mir Rätsel auf) erklärt Verloren im Nachrichtendschungel: “Denn auf Tausenden von Webseiten und Blogs werden zahllose mehr oder weniger gut recherchierte Informationen, Gerede und Gerüchte verbreitet. In diesem allgemeinen Informationsdurcheinander erlangt die Meinung eines Ideologen oder Aktivisten nicht selten den gleichen Stellenwert wie die eines Experten, eines anerkannten Wissenschaftlers oder Forschers.”

Immerhin dürfen sich die Journalisten im Anschluss auch noch selbst bezichtigen: “Der ehemalige Chefredakteur des großen französischen Wochenmagazins “L’Express”, Denis Jeambar, hat neun Kollegen aufgefordert, in seiner Dokumentation ihrem Unmut über den Niedergang des seriösen Journalismus freien Lauf zu lassen. Die prominenten Medienvertreter enthüllen sämtliche Auswüchse des Nachrichtengeschäfts und fordern eine Rückkehr zu den journalistischen Grundprinzipien.”

Arte Themenabend Journalismus, Dienstag, 9. Februar 2010

(via DVG)


12
Nov 09

Lieber Günter Wallraff,

Blackface” ist laut The Daily Show kein investigatives Reportage-Werkzeug (ab Minute 5:00).

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Is Blackface Ever OK?
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political Humor Health Care Crisis

Wallraff dagegen ist – so ihr Film gerade im Kino läuft – ein durchaus akzeptables Halloween-Kostüm.


21
Sep 09

Manhattans, Martinis und Madison Avenue

Nirgendwo wird im amerikanischen Fernsehen so viel geraucht und gesoffen wie bei Mad Men. Besuch vom Boss? Erstmal eine Zigarette anmachen. Oh, es ist schon Nachmittag? Let’s pour a Scotch.

Die großartige Serie hat erneut bei den Emmy Awards Erfolg gehabt, und wurde dieses Jahr unter anderem ausgezeichnet als Best Drama Series. Als Ehrung für Don Draper, den genialsten Werbe-Texter im Manhattan der Sixties, und alle seine Kollegen bei Sterling Cooper, hier die besten Mad Men Parodien:

Wir starten mit der Kurzzusammenfassung, Mad Men in 60 Sekunden:

Weiter geht es mit Meshugene Men, das die Charaktere aus ihren Rollen als prototypische WASPs schlüpfen lässt. Mazel Tow!

Jon Hamm, der mit seiner Rolle als Don Draper emotional zurück gebliebene Männer wieder attraktiv gemacht hat, war auch schon zu Gast bei Saturday Night Live. Der erste Skit ist ein bißchen zum Warm laufen.

Nach dieser Fingerübung kommen wir jetzt mit Don Drapers Anleitung zum Frauen verführen zur Königsdisziplin.

Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Mad-Men-Today-Parodien. FunnyOrDie verlegt Sterling Cooper nach Boston, und ersetzt die stilvollen Gentlemen mit fluchenden, Budweiser saufenden Proleten.

Dann gibt es noch die Mad Men als Social-Media-Marketer, die beim Gedanken an Viral Videos ganz ekstastisch werden. Die Parodie ist natürlich Werbung für eine Werbeagentur, aber sei’s drum (Einbetten deaktiviert).

Und als Bonus hier noch die steile These, das die fallende Silhouette aus dem Vorspann auf einem der bekanntesten Fotos vom 11. September basiert – dem Falling Man von Richard Drew.

Und wer sich jetzt fragt, wo man das Original sehen kann, Mad Men läuft in Deutschland bisher nur auf dem Bezahlsender FOX.

(H/T NewTeeVee)

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UPDATE:
Wenn man es in die Sesamstraße schafft, gehört man offiziell zum Fernsehadel:


15
Jul 09

CNN und die Bürgerjournalisten

“Für uns ist es zwecklos, den Versuch zu unternehmen, das Internet in puncto Geschwindigkeit zu schlagen.” So fasst Frederik Pleitgen, CNN Korrespondent in Deutschland, die Lage des 24-Stunden Nachrichtenkanals zusammen. Anstatt die neuen Nachrichtenkanäle zu ignorieren, oder als bloße Verlängerung des eigenen Angebots zu behandeln, sollten Blogs, Micro-Blogs und soziale Netzwerke in den Prozess der Berichterstattung aufgenommen werden, so Pleitgen weiter im Interview.

Frederik Pleitgen war letze Woche Gast im Reporting America Seminar, das ich mitorganisiert habe. Bei der Gelegenheit haben wir ihm gleich ein paar Fragen zur CNN Strategie im Umgang mit dem Internet gestellt:

Beachtenswert finde ich, dass die Bürgerjournalisten nicht nur als Publikum betrachtet werden. Ihre Berichte sollen aktiv in den Nachrichtenredaktionen genutzt werden, um die Breite der verfügbaren Quellen zu erweitern. In diesem Kontext muss man auch iReport sehen – die von CNN bereitgestellte Webseite, auf der Bürgerjournalisten Beiträge veröffentlichen können. Natürlich kann diese Beziehung auch in die andere Richtung funktionieren, indem die Redaktionen durch Rückmeldungen auf den wesentlichen Plattformen größere Transparenz schaffen.

Die Frage bei der Einbindung von Bürgerjournalisten ist: Wie ernst werden die neuen Mitarbeiter genommen? Wenn CNN lediglich hofft, einige exklusive Fotos abschöpfen zu können, dann ist das eine sehr beschränkte Umsetzung der Möglichkeiten, die sich durch das Einbinden von Amateuren ergeben.

Vielversprechender sind Konzepte wie “Off The Bus“. 2007 hatte die Huffington Post und Journalismus-Vordenker Jay Rosen das Projekt gestartet, in dem Freiwillige ausgebildet und angeleitet wurden, um die US-Präsidentschaftswahlen journalistisch zu begleiten. So sollte die Kompetenz des Medienpartners mit dem Enthusiasmus der Amateur-Journalisten verbunden werden. Wie man die Herangehensweise auch beurteilen mag, “Off The Bus” hat Einfluss demonstriert. Am Ende fussten einige der brisantesten Momente im Wahlkampf auf den Berichten der Bürgerjournalisten.

Ireport hat bisher eher mit falschen Berichten über die Gesundheit von Steve Jobs Schlagzeilen gemacht. Aber gut, immerhin öffnet sich CNN via Twitter und anderswo der Netzgemeinde. Ganz zu schweigen vom Druck, den die Watchblogs und Medienblogger auf die alltägliche Arbeit der CNN-Journalisten ausüben, wie Pleitgen auch im Gespräch erwähnt.


8
Aug 08

US-Fernsehen braucht einen Eheberater

“Erwähnungen von Inzest, Pädophilie, Partnertausch, Prostitution, Sex zu dritt, Transsexuellen und Transvestiten, Sex mit Tieren und Sex mit Leichen überwiegen Erwähnungen von Sex zwischen Ehepartnern im Programm von NBC im Verhältnis von 27:1.”

Eine neue (Pseudo-)Studie des amerikanischen Parents Television Council schlägt Alarm. Amerikanische Fernsehsender stellen Sex zwischen Eheleuten als entweder nicht-existent oder als überaus mühevoll dar, während außereheliche oder ehebrecherische sexuelle Beziehungen in den untersuchten Sendungen rundum positiv wegkommen. Noch mehr Ergebnisse, die bezeugen, dass die Drehbuchautoren in den USA Sex in der Ehe für überbewertet und eigentlich uninteressant halten:

  • Sex zwischen nichtverheirateten Menschen wird dreimal häufiger erwähnt, als Sex zwischen Eheleuten
  • Implizite oder explizite Darstellungen in denen nichtverheiratete Personen Sex haben, kommen viermal häufiger vor als Sex zwischen Eheleuten
  • NBC zeigte im Untersuchungszeitraum genauso viele Szenen, in denen Ehepartner Sex hatten, wie Szenen in denen Sex zwischen Erwachsenen und Minderjährigen erwähnt wurde
  • Darstellungen von Voyeurismus, Transvestiten oder Transsexuellen, Sex zu dritt, Fetisch-Sex, Bondage, Sado-Maso und Prostitution sind 2,7 mal häufiger zu sehen als Sex-Szenen zwischen Eheleuten

In diesem Ergebnis erkennt das Parents Television Council eine Verschwörung gegen die Ehe in Hollywood. Indem Sex zwischen züchtig verheitateten Eheleuten permanent schlecht gemacht wird, soll die Institution Ehe unterminiert werden, wird befürchtet. Und als abschreckendes Beispiel sind in der Studie gleich auch noch die betreffenden Zitate aus den untersuchten Sendungen mitgeliefert.

Der Verweis auf Sex zwischen Minderjährigen und Erwachsenen stammt z.B. aus der großartigen Serie 30 Rock und hört sich so an:

“Describing a new TV show, Jack says ‘’MILF Island’: 25 super-hot moms, 50 8th grade boys — no rules.’”

Oder als Nachweis für die negative Darstellung von Sex zwischen Eheleuten aus der ABC-Show Carpoolers:

Laird: “I haven’t heard the life-affirming sound of panties hitting the floor in over two weeks.”
Aubrey: “Two weeks? I haven’t seen my wife naked in two years!”
Dougie: “Well, what about sex?”
Aubrey: “When you’ve been married as long as I have, seeing your wife naked is having sex.”

Eine Sammlung großartiger Dialoge, die das Parents Television Council da zusammen gestellt hat, vielen Dank dafür. Den konservativen Schmarrn vom Sittenverfall der Jugend hätte man sich natürlich sparen können, aber dazu ist die Organisation ja schließlich da. Können die also ruhig machen, ich will nur wissen wann genau MILF Island anläuft.

Das alles via Jeff Bercovici, der gleich mal vorschlägt, NBC sollte es sowie die Produzenten von Gossip Girl machen. Die haben die Verurteilungen durch das Parents Television Council für eine Plakatkampagne genutzt.


23
Apr 08

Journalism Goes Mainstream

MTV’s newest reality TV show deals with – of all things – a high school newspaper. The paper is called “The Circuit,” it has won several awards for it’s reporting on the Cypress Bay High School. Usually, shows which focus on the news media itself are failures with the audience. We’ll see this time.

The first episode can be downloaded for free on the American itunes store.