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28
Jan 10

Arte Themenabend “Journalismus auf Abwegen”

Arte knüpft sich am 9. Februar die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter vor. Der dreiteilige Themenabend scheint sich darauf zu konzentrieren, was die Schattenseiten sind, wenn jeder im Inernet ungefragt und ungeprüft seine Meinung publizieren kann.

“Dadurch, dass es für jedermann möglich ist, per Internet ungebremst und ohne Prüfung des Wahrheitsgehalts seine Meinung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie gar als Nachricht zu tarnen, werden die Arbeitsbedingungen für seriöse Journalisten immer schwieriger. Wer sind die Meinungsmacher heute?”, fragt Journalismus auf Abwegen.

Und zur gleichen Zeit (der Arte-Programm-Guide gibt mir Rätsel auf) erklärt Verloren im Nachrichtendschungel: “Denn auf Tausenden von Webseiten und Blogs werden zahllose mehr oder weniger gut recherchierte Informationen, Gerede und Gerüchte verbreitet. In diesem allgemeinen Informationsdurcheinander erlangt die Meinung eines Ideologen oder Aktivisten nicht selten den gleichen Stellenwert wie die eines Experten, eines anerkannten Wissenschaftlers oder Forschers.”

Immerhin dürfen sich die Journalisten im Anschluss auch noch selbst bezichtigen: “Der ehemalige Chefredakteur des großen französischen Wochenmagazins “L’Express”, Denis Jeambar, hat neun Kollegen aufgefordert, in seiner Dokumentation ihrem Unmut über den Niedergang des seriösen Journalismus freien Lauf zu lassen. Die prominenten Medienvertreter enthüllen sämtliche Auswüchse des Nachrichtengeschäfts und fordern eine Rückkehr zu den journalistischen Grundprinzipien.”

Arte Themenabend Journalismus, Dienstag, 9. Februar 2010

(via DVG)


12
Nov 09

Lieber Günter Wallraff,

Blackface” ist laut The Daily Show kein investigatives Reportage-Werkzeug (ab Minute 5:00).

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
Is Blackface Ever OK?
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political Humor Health Care Crisis

Wallraff dagegen ist – so ihr Film gerade im Kino läuft – ein durchaus akzeptables Halloween-Kostüm.


21
Sep 09

Manhattans, Martinis und Madison Avenue

Nirgendwo wird im amerikanischen Fernsehen so viel geraucht und gesoffen wie bei Mad Men. Besuch vom Boss? Erstmal eine Zigarette anmachen. Oh, es ist schon Nachmittag? Let’s pour a Scotch.

Die großartige Serie hat erneut bei den Emmy Awards Erfolg gehabt, und wurde dieses Jahr unter anderem ausgezeichnet als Best Drama Series. Als Ehrung für Don Draper, den genialsten Werbe-Texter im Manhattan der Sixties, und alle seine Kollegen bei Sterling Cooper, hier die besten Mad Men Parodien:

Wir starten mit der Kurzzusammenfassung, Mad Men in 60 Sekunden:

Weiter geht es mit Meshugene Men, das die Charaktere aus ihren Rollen als prototypische WASPs schlüpfen lässt. Mazel Tow!

Jon Hamm, der mit seiner Rolle als Don Draper emotional zurück gebliebene Männer wieder attraktiv gemacht hat, war auch schon zu Gast bei Saturday Night Live. Der erste Skit ist ein bißchen zum Warm laufen.

Nach dieser Fingerübung kommen wir jetzt mit Don Drapers Anleitung zum Frauen verführen zur Königsdisziplin.

Dann gibt es noch eine ganze Reihe von Mad-Men-Today-Parodien. FunnyOrDie verlegt Sterling Cooper nach Boston, und ersetzt die stilvollen Gentlemen mit fluchenden, Budweiser saufenden Proleten.

Dann gibt es noch die Mad Men als Social-Media-Marketer, die beim Gedanken an Viral Videos ganz ekstastisch werden. Die Parodie ist natürlich Werbung für eine Werbeagentur, aber sei’s drum (Einbetten deaktiviert).

Und als Bonus hier noch die steile These, das die fallende Silhouette aus dem Vorspann auf einem der bekanntesten Fotos vom 11. September basiert – dem Falling Man von Richard Drew.

Und wer sich jetzt fragt, wo man das Original sehen kann, Mad Men läuft in Deutschland bisher nur auf dem Bezahlsender FOX.

(H/T NewTeeVee)

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UPDATE:
Wenn man es in die Sesamstraße schafft, gehört man offiziell zum Fernsehadel:


15
Jul 09

CNN und die Bürgerjournalisten

“Für uns ist es zwecklos, den Versuch zu unternehmen, das Internet in puncto Geschwindigkeit zu schlagen.” So fasst Frederik Pleitgen, CNN Korrespondent in Deutschland, die Lage des 24-Stunden Nachrichtenkanals zusammen. Anstatt die neuen Nachrichtenkanäle zu ignorieren, oder als bloße Verlängerung des eigenen Angebots zu behandeln, sollten Blogs, Micro-Blogs und soziale Netzwerke in den Prozess der Berichterstattung aufgenommen werden, so Pleitgen weiter im Interview.

Frederik Pleitgen war letze Woche Gast im Reporting America Seminar, das ich mitorganisiert habe. Bei der Gelegenheit haben wir ihm gleich ein paar Fragen zur CNN Strategie im Umgang mit dem Internet gestellt:

Beachtenswert finde ich, dass die Bürgerjournalisten nicht nur als Publikum betrachtet werden. Ihre Berichte sollen aktiv in den Nachrichtenredaktionen genutzt werden, um die Breite der verfügbaren Quellen zu erweitern. In diesem Kontext muss man auch iReport sehen – die von CNN bereitgestellte Webseite, auf der Bürgerjournalisten Beiträge veröffentlichen können. Natürlich kann diese Beziehung auch in die andere Richtung funktionieren, indem die Redaktionen durch Rückmeldungen auf den wesentlichen Plattformen größere Transparenz schaffen.

Die Frage bei der Einbindung von Bürgerjournalisten ist: Wie ernst werden die neuen Mitarbeiter genommen? Wenn CNN lediglich hofft, einige exklusive Fotos abschöpfen zu können, dann ist das eine sehr beschränkte Umsetzung der Möglichkeiten, die sich durch das Einbinden von Amateuren ergeben.

Vielversprechender sind Konzepte wie “Off The Bus“. 2007 hatte die Huffington Post und Journalismus-Vordenker Jay Rosen das Projekt gestartet, in dem Freiwillige ausgebildet und angeleitet wurden, um die US-Präsidentschaftswahlen journalistisch zu begleiten. So sollte die Kompetenz des Medienpartners mit dem Enthusiasmus der Amateur-Journalisten verbunden werden. Wie man die Herangehensweise auch beurteilen mag, “Off The Bus” hat Einfluss demonstriert. Am Ende fussten einige der brisantesten Momente im Wahlkampf auf den Berichten der Bürgerjournalisten.

Ireport hat bisher eher mit falschen Berichten über die Gesundheit von Steve Jobs Schlagzeilen gemacht. Aber gut, immerhin öffnet sich CNN via Twitter und anderswo der Netzgemeinde. Ganz zu schweigen vom Druck, den die Watchblogs und Medienblogger auf die alltägliche Arbeit der CNN-Journalisten ausüben, wie Pleitgen auch im Gespräch erwähnt.


8
Aug 08

US-Fernsehen braucht einen Eheberater

“Erwähnungen von Inzest, Pädophilie, Partnertausch, Prostitution, Sex zu dritt, Transsexuellen und Transvestiten, Sex mit Tieren und Sex mit Leichen überwiegen Erwähnungen von Sex zwischen Ehepartnern im Programm von NBC im Verhältnis von 27:1.”

Eine neue (Pseudo-)Studie des amerikanischen Parents Television Council schlägt Alarm. Amerikanische Fernsehsender stellen Sex zwischen Eheleuten als entweder nicht-existent oder als überaus mühevoll dar, während außereheliche oder ehebrecherische sexuelle Beziehungen in den untersuchten Sendungen rundum positiv wegkommen. Noch mehr Ergebnisse, die bezeugen, dass die Drehbuchautoren in den USA Sex in der Ehe für überbewertet und eigentlich uninteressant halten:

  • Sex zwischen nichtverheirateten Menschen wird dreimal häufiger erwähnt, als Sex zwischen Eheleuten
  • Implizite oder explizite Darstellungen in denen nichtverheiratete Personen Sex haben, kommen viermal häufiger vor als Sex zwischen Eheleuten
  • NBC zeigte im Untersuchungszeitraum genauso viele Szenen, in denen Ehepartner Sex hatten, wie Szenen in denen Sex zwischen Erwachsenen und Minderjährigen erwähnt wurde
  • Darstellungen von Voyeurismus, Transvestiten oder Transsexuellen, Sex zu dritt, Fetisch-Sex, Bondage, Sado-Maso und Prostitution sind 2,7 mal häufiger zu sehen als Sex-Szenen zwischen Eheleuten

In diesem Ergebnis erkennt das Parents Television Council eine Verschwörung gegen die Ehe in Hollywood. Indem Sex zwischen züchtig verheitateten Eheleuten permanent schlecht gemacht wird, soll die Institution Ehe unterminiert werden, wird befürchtet. Und als abschreckendes Beispiel sind in der Studie gleich auch noch die betreffenden Zitate aus den untersuchten Sendungen mitgeliefert.

Der Verweis auf Sex zwischen Minderjährigen und Erwachsenen stammt z.B. aus der großartigen Serie 30 Rock und hört sich so an:

“Describing a new TV show, Jack says ‘’MILF Island’: 25 super-hot moms, 50 8th grade boys — no rules.’”

Oder als Nachweis für die negative Darstellung von Sex zwischen Eheleuten aus der ABC-Show Carpoolers:

Laird: “I haven’t heard the life-affirming sound of panties hitting the floor in over two weeks.”
Aubrey: “Two weeks? I haven’t seen my wife naked in two years!”
Dougie: “Well, what about sex?”
Aubrey: “When you’ve been married as long as I have, seeing your wife naked is having sex.”

Eine Sammlung großartiger Dialoge, die das Parents Television Council da zusammen gestellt hat, vielen Dank dafür. Den konservativen Schmarrn vom Sittenverfall der Jugend hätte man sich natürlich sparen können, aber dazu ist die Organisation ja schließlich da. Können die also ruhig machen, ich will nur wissen wann genau MILF Island anläuft.

Das alles via Jeff Bercovici, der gleich mal vorschlägt, NBC sollte es sowie die Produzenten von Gossip Girl machen. Die haben die Verurteilungen durch das Parents Television Council für eine Plakatkampagne genutzt.


23
Apr 08

Journalism Goes Mainstream

MTV’s newest reality TV show deals with – of all things – a high school newspaper. The paper is called “The Circuit,” it has won several awards for it’s reporting on the Cypress Bay High School. Usually, shows which focus on the news media itself are failures with the audience. We’ll see this time.

The first episode can be downloaded for free on the American itunes store.


12
Apr 08

Die Öffentlich-Rechtlichen als Idealmaß

Der scheidende Verfassungsrichter Wolfgang Hoffman-Riem offenbart im Interview mit der Süddeutschen einige seiner medienpolitischen Erkenntnisse:

SZ: Ist ein öffentlich-rechtliches Fernsehen überlebenswichtig für die deutsche Demokratie?

Wolfgang Hoffmann-Riem: Die deutsche Demokratie geht nicht unter, wenn sich Strukturen des Mediensystems verändern. Eine formal verstandene Demokratie leidet darunter nicht; die inhaltliche Qualität der Demokratie kann aber leiden.

SZ: Die Qualität einer Demokratie wird von der Qualität des Fernsehens entscheidend geprägt?

Hoffmann-Riem: Von der Qualität der Medien ganz allgemein: von Printmedien, Fernsehen und Internet. Ein seinen Auftrag wahrnehmendes öffentlich-rechtliches Fernsehen schafft auch Orientierungspunkte für andere Medien. Journalisten orientieren sich stark an dem, worüber andere wie berichten. Ich bin mir sicher, dass die Vorbild- und Orientierungsfunktion eines öffentlich-rechtlichen Fernsehens sich auf die Medienordnung insgesamt auswirkt.

SZ: Nimmt die Vorbildfunktion der Öffentlich-Rechtlichen ab oder zu?

Hoffmann-Riem: Wenn diese abnähme, wäre das kein Wunder – angesichts der Diversifizierung der Medienträger, Medienangebote und Übertragungswege. Aber ich bemerke, dass viele Journalisten eigentlich den Prinzipien folgen möchten, die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelten. Das gibt manchen immer noch eine professionelle Orientierung.

Die Öffentlich-Rechtlichen formulieren aus, was journalistisches Ethos ausmacht, und die Privaten orientieren sich in Richtung ideeller Fluchtpunkt ARD/ZDF? Eher nicht. Immerhin weist Hoffman-Riem auch auf die gestiegene Quotenorientierung der Öffentlich-Rechtlichen hin, und vergisst auch nicht Renditeabhängigkeit, Hedge-Fonds und die Übermacht ökonomischer Imperative für die Privaten zu erwähnen.


17
Mrz 08

SNL is the new CNN

It’s up to Saturday Night Live to decide who will be the Democratic nominee for the election 2008.

The role SNL takes on in the nomination process is an incredible example for the way political debates are being turned into entertainment in the U.S. at the moment. At the same time however, it’s an incredible example how political issues are permeating the entertainment sector, creating a new arena for public discourse. There simply is no retreat to hide from the debate over Hillary vs. Barack.

While the traditional news media is busy analysing the electability of Obama in key states and commenting on Hillary’s risk of being hurt by a badly timed remark from Bill, SNL is stealing the show. Here, questions are raised about the news media’s fascination for Barack Obama. Here, the 3am phone call ad is put into context. Here, the candidates can establish themselves as a real person with – shocking – a real personality.

In contrast, on CNN and its counterparts the candidates are treated as abstract entities. They are equations, composed of surveys, polls, demographics and, well, momentum. To the pundits it’s a horse race for the right formula to win over public opinion. They miss just one point; to the public it’s a highly engaging debate about the future of America. Thank god, the writer’s strike is history, or else there would be no place to get a richer spectrum of views and opinions on the candidates.