Uni


26
Sep 09

Der Monty Burns von Harvard

Jedes Jahr belegen knapp tausend Harvard-Studenten die Vorlesung von Michael J. Sandel über Moral, Ethik und Gerechtigkeit. Prof. Sandel gibt diese Vorlesung seit dreissig Jahren. Gerüchteweise saßen schon die Simpsons-Autoren im Auditorium, und verewigten den Professor als Monty Burns im Pop-Universum, schreibt die New York Times in einem längeren Artikel.

Dabei steht das Verhalten vom Kraftwerk-Magnaten in Springfield natürlich diametral zu den von Prof. Sandel gepredigten Werten. Die beiden teilen also nur das Aussehen. Vielleicht lässt sich der Professor  ja dazu hinreißen, den Simpsons-Charakter in seiner Vorlesung als Anti-Beispiel einzubauen.

Grandioserweise hat sich Harvard dazu entschlossen, den beliebten Kurs per Internet und Fernsehen fei zugänglich zu machen. Der Professor wird professionell ausgeleuchtet, und zusätzliches Material zur Vorlesung wird auch bereit gestellt. Es gibt auch ein neues Buch, ganz uneigennützig handeln also selbst Moralphilosophen nicht.

Hier ist das Video von der Einführung, der gesamte Kurs ist hier zu finden.


23
Sep 09

r:k:m – Ein Rezensionsmagazin für die Kommunikationswissenschaft

Vor einigen Tagen ist r:k:m gestartet, ein Onlinemagazin, das Neuerscheinungen mit kommunikationswissenschaftlichem Schwerpunkt rezensieren wird. Das Magazin ist eine Gemeinschaftsgründung der Publizistik- und Journalismusinstitute in Dortmund, Bochum und Essen. Wenn die Autoren mit dem Rezensieren nachkommen, könnte es eine zentrale Anlaufstelle für den Überblick über neue Forschungsliteratur werden.

Warum das Magazin lange überfällig war, und wie es zur Gründung kam, beschreibt Tobias Eberwein ausführlich. Anstelle eines Editorials steht dieses Video-Interview mit einem der Herausgeber, Horst Pöttker:


27
Jun 09

Wie weit darf Pressefreiheit gehen?

In Deutschland haben wir klare Vorstellungen von zulässigen und unzulässigen Formen journalistischer Berichterstattung. Abgeleitet aus §1 GG “Die Würde des Menschen ist unantastbar” haben die meisten Menschen ein Anrecht auf Privatsphäre und können nicht so ohne weiteres gegen ihren Willen in die Öffentlichkeit gezerrt werden. Diese Grundsätze werden immer wieder geprüft und abgeklopft, sind aber in ihren Grundfesten ganz solide in der deutschen Gesellschaft verankert.

Ganz anders der Ansatz in den USA: Die staatliche Einmischung in die Meinungsäußerungen der Bürger soll so gering wie möglich gehalten werden. Dass ein Gesetz die Leugnung des Holocausts unter Strafe stellt, ist unter diesem Gesichtspunkt undenkbar. Darum werden auch Angeklagte oder Verdächtigte in der Presse mit vollem Namen genannt.

Erstmal kein Problem, zwei Länder, zwei Rechtsauffasungen. Leider kann man aber von Deutschland aus ganz einfach auf amerikanische Nachrichtenseiten zugreifen. In diesem Moment wird der Versuch, bestimmte Fakten oder Namen aus der öffentlichen Diskussion herauszuhalten, unterlaufen. Das weiche Recht auf Menschenwürde in Deutschland verliert gegen den pragmatischen Vollzug des Rechts auf Informationsfreiheit in den USA.

Diese Entwicklung und verwandte Fragen haben wir vor einigen Tagen im Tapmag-Seminar “Reporting America” mit dem Journalisten und USA-Erklärt-Blogger Scot W. Stevenson besprochen. Hier ist das Video von der Sitzung, Stevenson geht sehr genau auf die unterschiedliche rechtliche Basis der beiden Systeme ein, und zieht weitere Schlüsse aus den Gegensätzen.


22
Jun 09

Was läuft falsch an der FU Berlin?

Eine Antwort von Studierenden und Professoren auf den SelbstbeweihräucherungsImage-Film der Freien Universität Berlin.

FU – Eine Gegendarstellung from bildungsstreik09 on Vimeo.


28
Mai 08

A New Deal for American Social Policy

Es soll ja Menschen geben, die glauben, dass es in den USA keinerlei staatliche soziale Absicherungen gebe. Kein Vorwurf, das Bild von den “amerikanischen Verhältnissen” impliziert ja eine Gesellschaft sozialer Kälte, in der jeder sich selbst der nächste ist.

Tatsächlich geht die durchaus existente Sozialgesetzgebung in weiten Teilen auf den New Deal der 30er Jahre zurück. EIne Folge dieser New Deal Gesetze ist die eigentümliche Teilung der Sozialprogramme in der öffentlichen Wahrnehmung in Sozialversicherung und Sozialhilfe. Warum die meisten Amerikaner Welfare sehr negativ sehen, aber über Social Security kein schlechtes Wort verlieren, habe ich für die Uni aufgeschrieben. Wie immer hab ich erst viel zu spät angefangen, und bin dann auch nicht rechtzeitig fertig geworden, dementsprechend unzufrieden bin ich mit dem Endprodukt. Aber wen es interessiert: hier lang.