USA


8
Mrz 10

Mediagazer – TechMeme für die Medienbranche

Mediagazer Logo

Rivva und TechMeme helfen einem schnell weiter, wenn man einen knappen Überblick über die neuesten Nachrichten aus der Tech-Ecke bekommen möchte. Das gleiche bietet jetzt Mediagazer für die US-Medienbranche an, eine neu entwickelte Webseite aus dem Hause TechMeme.

Der Nachrichten-Aggregator wird vollautomatisch die Storys der größeren Medienblogs und -Nachrichtenseiten abgreifen und nach Backlinks und Tweets gewichten.

So soll laut der Mitbegründerin und ersten Redakteurin (also doch: eine Redaktion) Megan McCarthy eine Karte der US-Medienlandschaft entstehen. Das kann ganz praktisch sein, man sieht schnell welche Story am meisten Widerhall findet, welche Nachrichtenseiten sie kommentiert haben, und wie die letzten Entwicklungen aussehen.

Bei der Auswahl der Geschichten soll vor allem der Punkt Medienwandel und die daraus resultierenden notwendigen Anpassungen der Medienbranche im Vordergrund stehen. Das iPad und andere Tech-News  begegnen einem also auch auf Mediagazer, zusammen mit Business-News und klassischem Medienjournalismus.

Wichtig für alle aufstrebenden A-Blogger: Es wird auch ein “Leaderboard” geben – ähnlich wie bei TechMeme und Rivva – das die wichtigsten Quellen nach der Anzahl ihrer verlinkten Storys auflistet. Das besonders unter Medienleuten beliebte Schaulaufen der Eitelkeiten ist also eröffnet. Anpassen müssen sich eventuell auch RomeneskoMediaite und andere US-Medienblogs, die als Nachrichten-Aggregatoren überflüssig werden, falls Mediagazer Erfolg haben sollte.

Und ich bin gespannt, ob das etwas unübersichtliche, weil immense Angebot an Medien-Nachrichtenseiten aus den USA mit Mediagazer etwas übersichtlicher wird. Nötig wär’s.

(via Gawker)


10
Feb 10

Die Early Adopters werden immer älter

Das amerikanische Marketing-Unternehmen Comscore hat einen Bericht zu den wesentlichen Trends in der Mediennutzung der Amerikaner veröffentlicht. “The 2009 U.S. Digital Year in Review” (via @hemartin) hält einige aufschlussreiche Grafiken bereit, bitteschön:

Die Nutzung von Online-Videos hat im vergangenen Jahr in den USA weiter zugelegt, dabei hat sich das Angebot vergrößert und ausdifferenziert. Youtube bleibt mit einem Anteil von 26% an der Videonutzung der Platzhirsch. Interessanterweise entfallen aber über 50% der Nutzung auf Anbieter, die nicht mehr in den Top 25 vertreten sind, weswegen Comscore einen Trend zu Nischen-Angeboten ausmacht. Video-Anbieter, die Long-Tail-Märkte (vgl. Chris Anderson) im Netz bedienen, dürfen sich also freuen.

Bildschirmfoto 2010-02-10 um 15.49.09

Auch die Smartphone Nutzung hat 2009 in den USA zugelegt. Im Dezember hatten 17% der Mobilfunker ein Smartphone, 2008 waren es nur 11%. Marktführer bei den Betriebssystemen ist RIM, das die Blackberrys produziert, gefolgt von Apple, dessen Anteil weiter steigt. Google ist mit 5,2% noch in der Einführungsphase, konnte aber laut Comscore in den letzten Monaten stark zulegen – ein Trend, der unter anderem dank des Google-Phones Nexus One in 2010 fortgeführt werden könnte.

Bildschirmfoto 2010-02-10 um 15.49.24

Und schließlich: die Altersstruktur der Facebook-, Twitter- und Myspace-Nutzer im Vergleich. Die älteren Nutzer fliehen von Myspace und verdrängen die Teenager aus Facebook. Eventuell werden die College-Studenten aber auch einfach älter, Facebook hat ja gerade sein sechsjähriges gefeiert. Und nur weil man 25 ist und die Uni verlässt, löscht man ja nicht gleich sein Facebook-Konto.

Demographic composition of facebook and myspace users compared

Dafür entdeckt die jüngere Generation jetzt auch Twitter, dessen Nutzer mit steigender Popularität immer jünger werden. Das widerlegt die These, dass vor allem die jüngsten Nutzer Early Adopter wären. Die Alten machen den Unterschied! Twitter ist von den 25- bis 64-jährigen groß gezogen worden.

Age composition of twitter users


16
Jan 10

ACTA auf dem Podium

Das Anti-Counterfeiting-Trade-Agreement ist das am besten versteckte, aber eigentlich öffentliche, weil alle und jeden betreffende, Handels- und Urheberrechtsabkommen. Ist ACTA ein Versuch, hinter verschlossenen Türen der digitalen Gesellschaft die Wünsche der Inhalteindustrie aufzudrücken? Ist es ein gerechtfertigter Eingriff in unsere Privatsphäre, wenn wir an der Grenze den Inhalt unserer Festplatte und andere Datenträger dem Zoll zeigen müssen? Was sind die Kehrseiten dieser Politik der Rechteinhaber? Wie hängen virtuelle Güter und reale Vorleistungen zusammen?
Diese und weiterführende Fragen werden auf dieser Podiumsdiskussion in Washington, D.C. in aller Ausführlichkeit besprochen:

(via Boing Boing)


24
Dez 09

Xmas Hero


1
Dez 09

The New News Audience

Der Wandel des amerikanischen Nachrichtenpublikums, in Zahlen gefasst vom PEW Research Center:

Die deutsche Perspektive gibt es bei Hugo E. Martin, der die Ergebnisse der JIM-Studie über das Informationsverhalten und die Mediennutzung deutscher Teenager zusammengefasst hat.


4
Nov 09

Krise? Welche Krise?

Daniel Gross argumentiert auf Slate.com, dass die Krise der Tageszeitungen in den USA im Moment vor allem zyklisch verschärft wird. Sobald sich das Konsumklima wieder dreht, könnten sich die Kostensenkungen und die gesteigerte Profitabilität in wachsenden Gewinnen niederschlagen.

Innerhalb des letzten Jahres hätten einige Zeitungsunternehmen den turn-around geschafft. Sie haben ihre Abhängigkeit vom Werbemarkt durch gesteigerte Erträge aus dem Geschäft mit Abonnements und Einzelverkäufen reduziert. Und dass, obwohl gleichzeitig die Auflagen gefallen sind. Ein Beispiel liefert die New York Times, schreibt Gross:

“So in the past six months, according to ABC, the New York Times daily circulation fell 7.3 percent, while Sunday circulation was down 2.7 percent. Horreur! And yet, the New York Times Co. reported that in the third quarter, ‘circulation revenues rose 6.7 percent, mainly because of higher subscription and newsstand prices at The New York Times and The Boston Globe.’ In the quarter, circulation revenues were larger than advertising revenues for the first time—$175.25 million, compared with $164.5 million.”

Steile These. Dass die New York Times die Erträge aus dem Lesermarkt steigern konnte, ist natürlich eine gute Nachricht. Leider muss man im selben Geschäftsbericht auch lesen, dass die Einnahmen aller Geschäftsbereiche um 16,9% gefallen sind. Das heißt, die gesteigerte Ertragsfähigkeit im Lesermarkt kann den Absturz der Werbeinnahmen nicht ausgleichen.

Die Frage ist darum: welchen Anteil hat der zyklische Wirtschaftsabschwung am Rückgang der Auflage? Ryan Chittum (CJR Blog) hat dazu eine klare Meinung: Die Leser kommen nicht mehr wieder, selbst wenn der Aufschwung da ist. Denn:

“[T]his is a cyclical downturn on top of a secular one, and the circulation declines are far greater than any on record going back to early World War II.”

Historische Auflagen der US-Zeitungen – Für Vergrößerung klicken

Die Leserschaft der Zeitungen ist in den USA schon lange vor der Wirtschaftskrise 2008/2009 zurückgegangen. 1940 ist das einzige Jahr, in dem die Zahlen der NAA tiefer sind als 2009 – in diesem Jahr begann die NAA mit der Auflagenzählung. Die langfristigen Verschiebungen durch Digitalisierung und veränderte Nutzungsgewohnheiten werden durch die aktuelle Krise beschleunigt. Es gab schon vor der Wirtschaftskrise eine Zeitungskrise. Das ist nicht wirklich umstritten.

Das Problem dabei ist einfach, dass die US-Zeitungen pro Leser mehr Umsatz mit Anzeigen gemacht haben, als mit dem Vertrieb (CJR schätz grob, dass pro Dollar aus dem Vertrieb, drei bis vier Werbe-Dollar in die Kassen geflossen sind). Will man bei weniger Lesern zu früheren Umsätzen zurück, muss man den Umsatz aus dem Vertrieb um einen ungleich höheren Faktor steigern. Bei einem 3:1 Verhältnis von Werbungs- zu Vertriebserlösen und einem gleichzeitigen Auflagenrückgang um 10% beispielsweise um ganze 44% (eigene Berechnung).

Deswegen lassen sich die Werbeumsätze kaum mit Vertriebsumsätzen aufwiegen, zumal die meisten Einsparungspotentiale auf der Kostenseite bereits ausgeschöpft sind. Irgendwer muss schon noch im Newsroom das Licht an- und ausmachen. Man kann natürlich auch die Zeitung verteuern, was aber meist einen Auflagenrückgang mit sich bringt.

Ergo? Mehr Umsätze aus dem Vertrieb können nur ein Teil der Lösung sein. Wenn man ausschließlich die Erlösstruktur betrachtet, kommt man dem Problem der Zeitungen nicht nah genug. Das Geschäftsmodell der Zeitungen steht auf allen Ebenen zur Disposition: Vom Nutzenversprechen, über die Zusammenstellung und Distribution der Inhalte, bis zum Erlösmodell. Das sollten alle Lösungsansätze zumindest anerkennen.

UPDATE:

Das Wall Street Journal sieht die Sache ähnlich. Wie dringend das Problem ist, zeigt der Auflagenverlauf der großen Tageszeitungen in den USA in den letzten zehn Jahren (via The Guardian):

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US newspaper circulation graph. Illustration: The Awl (from Audit Bureau of Circulations data)


26
Sep 09

Der Monty Burns von Harvard

Jedes Jahr belegen knapp tausend Harvard-Studenten die Vorlesung von Michael J. Sandel über Moral, Ethik und Gerechtigkeit. Prof. Sandel gibt diese Vorlesung seit dreissig Jahren. Gerüchteweise saßen schon die Simpsons-Autoren im Auditorium, und verewigten den Professor als Monty Burns im Pop-Universum, schreibt die New York Times in einem längeren Artikel.

Dabei steht das Verhalten vom Kraftwerk-Magnaten in Springfield natürlich diametral zu den von Prof. Sandel gepredigten Werten. Die beiden teilen also nur das Aussehen. Vielleicht lässt sich der Professor  ja dazu hinreißen, den Simpsons-Charakter in seiner Vorlesung als Anti-Beispiel einzubauen.

Grandioserweise hat sich Harvard dazu entschlossen, den beliebten Kurs per Internet und Fernsehen fei zugänglich zu machen. Der Professor wird professionell ausgeleuchtet, und zusätzliches Material zur Vorlesung wird auch bereit gestellt. Es gibt auch ein neues Buch, ganz uneigennützig handeln also selbst Moralphilosophen nicht.

Hier ist das Video von der Einführung, der gesamte Kurs ist hier zu finden.


21
Sep 09

New York Post: “We’re Screwed!”

Die Medien-Aktivisten The Yes Men haben wieder zugeschlagen. Nachdem im letzten Jahr am 4. Juli eine gefälschte New York Times in Umlauf gebracht wurde, in der nur Nachrichten standen, die die beiden Medien-Guerilla schon immer einmal gedruckt lesen wollten, musste heute das Boulevardblatt New York Post aus dem Hause Rupert Murdochs dran glauben.

Und diesmal sollen alle Fakten echt sein. Die gesamte gefälschte Ausgabe ist dem Kampf gegen den Klimawandel gewidmet – einem Thema, zu dem sich die Blattmacher bisher immer mit umgekehrtem Vorzeichen geäußert hatten.

Hier das komplette Video (via Urban Prankster):

“SPECIAL EDITION” NEW YORK POST from The Yes Men on Vimeo.

Update: Die dazugehörige Website ist hier.

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11
Jul 09

Obama auf Berlusconis Spuren?

Heute: ein weiteres Lehrstück über die verzerrte Nachrichtenwahrnehmung in der amerikanischen Presselandschaft. Der Drudge Report, eine Linksammlung mit Hang zum konservativen Weltbild, macht heute mit einem Foto von Obama beim G8-Gipfel in Italien auf. Der US-Präsident scheint unisono mit dem Französischen Premierminister Sarkozy das Hinterteil einer jungen Gipfelteilnehmerin mit den Augen zu vermessen. Was ist aus dem Gentleman-Präsidenten geworden?

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Aber keine Angst, demnächst dürften keine Party-Fotos mit halbnackten Schönheiten und vollkommen nackten älteren Herren aus Obamas Privat-Villa die Öffentlichkeit erreichen (falls Obama überhaupt eine Privatvilla besitzt). Soweit ist die Berlusconisierung von Obama nicht fortgeschritten. Die Fernsehkameras haben denselben Moment nämlich auch festgehalten. Und da kommt Obama erheblich besser weg, im Gegenteil zu Sarkozy.

Megan Garber zeigt sich im Columbia Journalism Review nicht weiter überrascht, dass Matt Drudge keine Gelegenheit verstreichen lässt, dem demokratischen US-Präsidenten eins auszuwischen. Perspektive ist eben alles.


27
Jun 09

Wie weit darf Pressefreiheit gehen?

In Deutschland haben wir klare Vorstellungen von zulässigen und unzulässigen Formen journalistischer Berichterstattung. Abgeleitet aus §1 GG “Die Würde des Menschen ist unantastbar” haben die meisten Menschen ein Anrecht auf Privatsphäre und können nicht so ohne weiteres gegen ihren Willen in die Öffentlichkeit gezerrt werden. Diese Grundsätze werden immer wieder geprüft und abgeklopft, sind aber in ihren Grundfesten ganz solide in der deutschen Gesellschaft verankert.

Ganz anders der Ansatz in den USA: Die staatliche Einmischung in die Meinungsäußerungen der Bürger soll so gering wie möglich gehalten werden. Dass ein Gesetz die Leugnung des Holocausts unter Strafe stellt, ist unter diesem Gesichtspunkt undenkbar. Darum werden auch Angeklagte oder Verdächtigte in der Presse mit vollem Namen genannt.

Erstmal kein Problem, zwei Länder, zwei Rechtsauffasungen. Leider kann man aber von Deutschland aus ganz einfach auf amerikanische Nachrichtenseiten zugreifen. In diesem Moment wird der Versuch, bestimmte Fakten oder Namen aus der öffentlichen Diskussion herauszuhalten, unterlaufen. Das weiche Recht auf Menschenwürde in Deutschland verliert gegen den pragmatischen Vollzug des Rechts auf Informationsfreiheit in den USA.

Diese Entwicklung und verwandte Fragen haben wir vor einigen Tagen im Tapmag-Seminar “Reporting America” mit dem Journalisten und USA-Erklärt-Blogger Scot W. Stevenson besprochen. Hier ist das Video von der Sitzung, Stevenson geht sehr genau auf die unterschiedliche rechtliche Basis der beiden Systeme ein, und zieht weitere Schlüsse aus den Gegensätzen.