Empirisches


8
Sep 11

Safe for Work

Diese Infografik darf man sich ruhig vom Bürostuhl aus ansehen: Welche Web-Videos schauen Amerikaner (laut Eigenauskunft) am Arbeitsplatz? Gefunden beim Videopunk.

 


18
Jul 11

Was keiner wissen darf: Kino.to-Nutzer gehen oft ins Kino

Bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) lagert eine Studie zum Medienkonsum von Kino.to-Nutzern mit unangenehmen Ergebnissen im Giftschrank – das soll ein anonymer Mitarbeiter Telepolis verraten haben. Laut der Quelle gehen die Nutzer von Kino-to häufiger ins Kino und kaufen mehr DVDs als der durchschnittliche Konsument. Damit habe man nicht gerechnet, und deswegen blieben die Ergebnisse erstmal in der Schublade.

Scheinbar hat die Inhalte-Industrie also bei der GfK eine Studie bestellt, deren Ergebnis leider die ökonomischen Argumente gegen ein restriktives Urheberrechtssystem stützen. Denn die besagen ja, dass die erweiterte Verbreitung von Filmen durch P2P-Netze und Streaming-Seiten entscheidend zu ihrer Popularität und letztlich zu ihrem geschäftlichen Erfolg beitragen.

Dass dieses Ergebnis nicht gewollt ist, ist klar. Stimmen die Vorwürfe, reicht die wissenschaftliche Redlichkeit der Marktforscher von der GfK also genau bis zum Interessenkonflikt mit den Geldgebern. Zeit für neue Geschäftsmodelle, in der Filmindustrie wie in der Marktforschung.

(Siehe dazu auch: Hatte Kino.to mehr Nutzer als alle andere deutschen Video-Seiten?)


8
Jun 11

Hatte Kino.to mehr Nutzer als alle anderen deutschen Video-Seiten?

Jahrelang konnte sich jeder auf Kino.to mit wenigen Klicks aktuellste Filme und Serien auf den eigenen Rechner streamen. Einzige Bedingung: Ein installierter Divx-Player und das Geschick um abstruse Pop-Ups herum zu navigieren. Dieser – je nach eigenem Standpunkt paradiesische oder auch untragbare – Zustand ist jetzt Geschichte. Seit gestern erscheint auf www.kino.to dieser Hinweis (Klick vergrößert):

Kino.to am 2011-06-08 um 14.04.59

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Ermittlungen wegen des Verdachts der “Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerblichen Begehung von Urheberrechtsverletzungen” aufgenommen. 13 Menschen sind bereits verhaftet, eine weitere Person wird mit Haftbefehl gesucht. Die Domain www.kino.to ist bis auf weiteres beschlagnahmt. Um die Schwere des Delikts zu unterstreichen, hat die Staatsanwaltschaft Zahlen zur Nutzung des Streaming-Portals veröffentlicht: Vier Millionen Besucher täglich sollen den Hauptbeschuldigten siebenstellige Gewinne beschert haben, berichtet SpOn.

Ebenfalls gestern hat Comscore aktuelle Zahlen zum Online-Video-Konsum in Deutschland veröffentlicht. Dort werden leider seit letzten Jahr keine Filehoster mehr aufgeführt, in vorigen Jahren lag Megavideo beispielsweise noch weit vorne. Mit den Zahlen der Staatsanwaltschaft  lässt sich dennoch diese Modellrechnung aufstellen:

Geht man davon aus, dass vier Millionen tägliche Nutzer vorsichtig geschätzt täglich mindestens vier Mio. Videos auf Kino.to schauen, kann man von monatlich mindestens 120 Mio. über Kino.to generierten Video-Abrufen ausgehen (Kino.to hat ja nie selbst Videos gehostet, wie die Betreiber immer wieder gerne erwähnt haben. Genützt hat es aber nichts.). Vergleicht man diese Zahl mit den Video-Abrufen, die Comscore für deutsche Video-Plattformen ermittelt hat, sieht das so aus:

Es wird schnell klar: Kino.to dürfte hinter dem Online-Video-Giganten Youtube (a.k.a. “Google Sites”) das zweitgrößte Video-Portal gewesen sein. Die erste deutsche Konkurrenz sind die P7S1-Seiten (Maxdome, prosieben.de, etc…), die zusammen auf 106 Mio. Video-Abrufe im April kamen.

Diese Erkenntnis deckt sich mit einem Chart von Bertram Gugel, das über Google Trends die Beliebtheit von Kino.to aufzeigt. Die Analyse verdeutlicht, dass sich die Seiten der privaten Fernsehsender gegenüber dem Filehoster Megavideo und der Linksammlung von Kino.to nicht absetzen können:

 

Der Wegfall von Kino.to dürfte unmittelbar eine Umwälzung des Online-Video-Markts mit sich bringen. Generell ist jetzt eine gute Chance, einige der digitalen Schwarzseher von den Vorteilen legaler Streaming-Portale zu überzeugen. Dazu bedarf es aber eines attraktiven Portals, das ähnlich viele Filme wie Kino.to anbietet und möglichst einfach zu bedienen ist.

Hier zeigt sich, was die vertane Chance, ein deutsches Hulu an den Start zu bringen, für die Marktentwicklung bedeutet: Bei den sendereigenen Mediatheken herrscht weiter Fragmentierung, die Privaten zeigen zudem kaum Filme online. Und VoD-Portale wie Maxdome und Bitbop leiden weiter unter ihrer schlechten Bedienbarkeit oder  geringen Titelauswahl.

Und ganz generell: Wer Serien und Filme auch auf Englisch schaut, dem steht weiterhin eine große Auswahl an Quellen in der rechtlichen Grauzone zur Verfügung, die über ein riesiges Portfolio verfügen und geringe bis keine Kosten für die Nutzer verursachen. Ausserdem hat die Erfahrung bisher immer gezeigt: Verklagst du ein Napster, machen morgen drei bessere auf.

UPDATE:

Mehr zur Arbeitsweise von Kino.to gibt es in diesem Interview auf Netzfeuilleton. Marcel Weiss sieht ebenfalls die Analogie zu Napster. Und wer jetzt Angst hat, bald Post von der umtriebigen Staatsanwaltschaft Dresden zu bekommen, der sollte sich diesen Kommentar der Kanzlei Kompa durchlesen, der zwar juristisch keine Entwarnung gibt, faktisch aber Verfolgungsprobleme sieht.


10
Feb 10

Die Early Adopters werden immer älter

Das amerikanische Marketing-Unternehmen Comscore hat einen Bericht zu den wesentlichen Trends in der Mediennutzung der Amerikaner veröffentlicht. “The 2009 U.S. Digital Year in Review” (via @hemartin) hält einige aufschlussreiche Grafiken bereit, bitteschön:

Die Nutzung von Online-Videos hat im vergangenen Jahr in den USA weiter zugelegt, dabei hat sich das Angebot vergrößert und ausdifferenziert. Youtube bleibt mit einem Anteil von 26% an der Videonutzung der Platzhirsch. Interessanterweise entfallen aber über 50% der Nutzung auf Anbieter, die nicht mehr in den Top 25 vertreten sind, weswegen Comscore einen Trend zu Nischen-Angeboten ausmacht. Video-Anbieter, die Long-Tail-Märkte (vgl. Chris Anderson) im Netz bedienen, dürfen sich also freuen.

Bildschirmfoto 2010-02-10 um 15.49.09

Auch die Smartphone Nutzung hat 2009 in den USA zugelegt. Im Dezember hatten 17% der Mobilfunker ein Smartphone, 2008 waren es nur 11%. Marktführer bei den Betriebssystemen ist RIM, das die Blackberrys produziert, gefolgt von Apple, dessen Anteil weiter steigt. Google ist mit 5,2% noch in der Einführungsphase, konnte aber laut Comscore in den letzten Monaten stark zulegen – ein Trend, der unter anderem dank des Google-Phones Nexus One in 2010 fortgeführt werden könnte.

Bildschirmfoto 2010-02-10 um 15.49.24

Und schließlich: die Altersstruktur der Facebook-, Twitter- und Myspace-Nutzer im Vergleich. Die älteren Nutzer fliehen von Myspace und verdrängen die Teenager aus Facebook. Eventuell werden die College-Studenten aber auch einfach älter, Facebook hat ja gerade sein sechsjähriges gefeiert. Und nur weil man 25 ist und die Uni verlässt, löscht man ja nicht gleich sein Facebook-Konto.

Demographic composition of facebook and myspace users compared

Dafür entdeckt die jüngere Generation jetzt auch Twitter, dessen Nutzer mit steigender Popularität immer jünger werden. Das widerlegt die These, dass vor allem die jüngsten Nutzer Early Adopter wären. Die Alten machen den Unterschied! Twitter ist von den 25- bis 64-jährigen groß gezogen worden.

Age composition of twitter users


1
Dez 09

The New News Audience

Der Wandel des amerikanischen Nachrichtenpublikums, in Zahlen gefasst vom PEW Research Center:

Die deutsche Perspektive gibt es bei Hugo E. Martin, der die Ergebnisse der JIM-Studie über das Informationsverhalten und die Mediennutzung deutscher Teenager zusammengefasst hat.