Web


1
Sep 11

Das Internet, 1901

Also fast. Eher ein Intertelegraphennetz:

This is a map of the Internet in 1901. Surely there was no Internet in 1901? But each technology is built on top of the previous technology, and the Internet is no exception. It was built on top of the telephone network, which was built, in turn, on top of the telegraph network, which already girdled the world by the end of the Victorian era, in 1901. So here it is. The Internet in 1901.

(via Edge, wo es noch mehr tolle Karten für das 21. Jahrhundert gibt.)


8
Jun 11

Hatte Kino.to mehr Nutzer als alle anderen deutschen Video-Seiten?

Jahrelang konnte sich jeder auf Kino.to mit wenigen Klicks aktuellste Filme und Serien auf den eigenen Rechner streamen. Einzige Bedingung: Ein installierter Divx-Player und das Geschick um abstruse Pop-Ups herum zu navigieren. Dieser – je nach eigenem Standpunkt paradiesische oder auch untragbare – Zustand ist jetzt Geschichte. Seit gestern erscheint auf www.kino.to dieser Hinweis (Klick vergrößert):

Kino.to am 2011-06-08 um 14.04.59

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Ermittlungen wegen des Verdachts der “Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerblichen Begehung von Urheberrechtsverletzungen” aufgenommen. 13 Menschen sind bereits verhaftet, eine weitere Person wird mit Haftbefehl gesucht. Die Domain www.kino.to ist bis auf weiteres beschlagnahmt. Um die Schwere des Delikts zu unterstreichen, hat die Staatsanwaltschaft Zahlen zur Nutzung des Streaming-Portals veröffentlicht: Vier Millionen Besucher täglich sollen den Hauptbeschuldigten siebenstellige Gewinne beschert haben, berichtet SpOn.

Ebenfalls gestern hat Comscore aktuelle Zahlen zum Online-Video-Konsum in Deutschland veröffentlicht. Dort werden leider seit letzten Jahr keine Filehoster mehr aufgeführt, in vorigen Jahren lag Megavideo beispielsweise noch weit vorne. Mit den Zahlen der Staatsanwaltschaft  lässt sich dennoch diese Modellrechnung aufstellen:

Geht man davon aus, dass vier Millionen tägliche Nutzer vorsichtig geschätzt täglich mindestens vier Mio. Videos auf Kino.to schauen, kann man von monatlich mindestens 120 Mio. über Kino.to generierten Video-Abrufen ausgehen (Kino.to hat ja nie selbst Videos gehostet, wie die Betreiber immer wieder gerne erwähnt haben. Genützt hat es aber nichts.). Vergleicht man diese Zahl mit den Video-Abrufen, die Comscore für deutsche Video-Plattformen ermittelt hat, sieht das so aus:

Es wird schnell klar: Kino.to dürfte hinter dem Online-Video-Giganten Youtube (a.k.a. “Google Sites”) das zweitgrößte Video-Portal gewesen sein. Die erste deutsche Konkurrenz sind die P7S1-Seiten (Maxdome, prosieben.de, etc…), die zusammen auf 106 Mio. Video-Abrufe im April kamen.

Diese Erkenntnis deckt sich mit einem Chart von Bertram Gugel, das über Google Trends die Beliebtheit von Kino.to aufzeigt. Die Analyse verdeutlicht, dass sich die Seiten der privaten Fernsehsender gegenüber dem Filehoster Megavideo und der Linksammlung von Kino.to nicht absetzen können:

 

Der Wegfall von Kino.to dürfte unmittelbar eine Umwälzung des Online-Video-Markts mit sich bringen. Generell ist jetzt eine gute Chance, einige der digitalen Schwarzseher von den Vorteilen legaler Streaming-Portale zu überzeugen. Dazu bedarf es aber eines attraktiven Portals, das ähnlich viele Filme wie Kino.to anbietet und möglichst einfach zu bedienen ist.

Hier zeigt sich, was die vertane Chance, ein deutsches Hulu an den Start zu bringen, für die Marktentwicklung bedeutet: Bei den sendereigenen Mediatheken herrscht weiter Fragmentierung, die Privaten zeigen zudem kaum Filme online. Und VoD-Portale wie Maxdome und Bitbop leiden weiter unter ihrer schlechten Bedienbarkeit oder  geringen Titelauswahl.

Und ganz generell: Wer Serien und Filme auch auf Englisch schaut, dem steht weiterhin eine große Auswahl an Quellen in der rechtlichen Grauzone zur Verfügung, die über ein riesiges Portfolio verfügen und geringe bis keine Kosten für die Nutzer verursachen. Ausserdem hat die Erfahrung bisher immer gezeigt: Verklagst du ein Napster, machen morgen drei bessere auf.

UPDATE:

Mehr zur Arbeitsweise von Kino.to gibt es in diesem Interview auf Netzfeuilleton. Marcel Weiss sieht ebenfalls die Analogie zu Napster. Und wer jetzt Angst hat, bald Post von der umtriebigen Staatsanwaltschaft Dresden zu bekommen, der sollte sich diesen Kommentar der Kanzlei Kompa durchlesen, der zwar juristisch keine Entwarnung gibt, faktisch aber Verfolgungsprobleme sieht.


30
Mai 11

Berlin: Touris überall

Wer Touri-Gegenden beim Städte-Trip unbedingt vermeiden will, sollte sich mal den Flickr-Stream von Eric Fisher ansehen. Er hat sich von Reise-Metropolen wie New York, London und Paris die Fotos angesehen, die Besucher und Bewohner aus diesen Städten auf Flickr veröffentlich haben.

Mit Hilfe der GPS-Daten der Fotos kann er auf Stadtkarten zeigen, welche Gegenden besonders stark von Besuchern frequentiert werden und wo sich die Locals tummeln. Woher weiß Fisher, wer Touri ist und wer nicht? Als Besucher (auf den Karten rot) hat er alle gezählt, die im Zeitraum von maximal einem Monat Fotos aus einer Stadt veröffentlichten, alle anderen sind Bewohner (blau).

Eine Karte für Berlin hat Fisher auch angefertigt. In der Hauptstadt sind die Pfade der Berliner und der Berlin-Besucher anders als in anderen Städten fast deckungsgleich. Entweder kennen sich die Berlin-Touristen sehr gut aus oder die Berliner sind nicht besonders kreativ in ihrer Freizeitgestaltung.

Locals and Tourists #13 (GTWA #5): Berlin

Die Bilder zeigen eins ganz deutlich: Mit den digitalen Möglichkeiten schrumpft der Wissensvorsprung der Bewohner. Geheimtipps bleiben nicht lange geheim: Ob man bewusst darauf verzichtet, Fotos vom nettesten Spree-Winkel in Berlin hochzuladen oder sich aktiv an der digitalen Vermessung der Welt beteiligt, spielt weniger und weniger eine Rolle. Digitale Spuren hinterlässt man im Kollektiv meist doch. Die kreativsten Daten-Sammler können daraus dann solche Karten basteln.


8
Mrz 10

Mediagazer – TechMeme für die Medienbranche

Mediagazer Logo

Rivva und TechMeme helfen einem schnell weiter, wenn man einen knappen Überblick über die neuesten Nachrichten aus der Tech-Ecke bekommen möchte. Das gleiche bietet jetzt Mediagazer für die US-Medienbranche an, eine neu entwickelte Webseite aus dem Hause TechMeme.

Der Nachrichten-Aggregator wird vollautomatisch die Storys der größeren Medienblogs und -Nachrichtenseiten abgreifen und nach Backlinks und Tweets gewichten.

So soll laut der Mitbegründerin und ersten Redakteurin (also doch: eine Redaktion) Megan McCarthy eine Karte der US-Medienlandschaft entstehen. Das kann ganz praktisch sein, man sieht schnell welche Story am meisten Widerhall findet, welche Nachrichtenseiten sie kommentiert haben, und wie die letzten Entwicklungen aussehen.

Bei der Auswahl der Geschichten soll vor allem der Punkt Medienwandel und die daraus resultierenden notwendigen Anpassungen der Medienbranche im Vordergrund stehen. Das iPad und andere Tech-News  begegnen einem also auch auf Mediagazer, zusammen mit Business-News und klassischem Medienjournalismus.

Wichtig für alle aufstrebenden A-Blogger: Es wird auch ein “Leaderboard” geben – ähnlich wie bei TechMeme und Rivva – das die wichtigsten Quellen nach der Anzahl ihrer verlinkten Storys auflistet. Das besonders unter Medienleuten beliebte Schaulaufen der Eitelkeiten ist also eröffnet. Anpassen müssen sich eventuell auch RomeneskoMediaite und andere US-Medienblogs, die als Nachrichten-Aggregatoren überflüssig werden, falls Mediagazer Erfolg haben sollte.

Und ich bin gespannt, ob das etwas unübersichtliche, weil immense Angebot an Medien-Nachrichtenseiten aus den USA mit Mediagazer etwas übersichtlicher wird. Nötig wär’s.

(via Gawker)


10
Dez 09

Das Internet für Anfänger

“Das Internet ist ein harmloser Zusammenschluss von Fax-Maschinen.”

Willkommen beim großen Metaphern-Rodeo! Ein Interview-Remix kuratiert von Cassetteboy, mit den Jüngern des Web-Evangeliums.


1
Dez 09

5.000 Franken von der UBS für zehn Seiten Konzept

Die schweizer Großbank UBS hat ein Problem: Sie will beim Web 2.0 mitmachen, weiß aber nicht wie. Klar, niemand möchte mit seiner Bank über Facebook Kontakt halten. Trotzdem sind kollaborative Kommunikationsformen für E-Banking-Angebote nicht undenkbar.

Um dieses Problem zu lösen, hat sich UBS entschlossen, einen Wettbewerb zu veranstalten. Die drei besten Ideen, wie Web 2.0 Angebote in den Internet-Auftritt von UBS zu integrieren sind, werden mit 5.000 Schweizer Franken belohnt. Andreas Hoffmann hat den Wettbewerb gestern beim Web Monday in den Google Headquarters Zürich vorgestellt. Die Anforderungen en detail:

  • Der Inhalt: Die UBS möchte Vorschläge sammeln, wie Web 2.0 Ideen der Bank helfen können. Wie kann die Nutzung von UBS-Anwendungen wie mobilem E-Banking für die Kunden verbessert werden?
  • Die Form: fünf bis zehn Konzeptseiten als PowerPoint-, PDF- oder Word-Datei, die die Idee und ihre Umsetzung kurz umreißen. Neben den 5.000 Franken besteht natürlich die Chance, dass UBS zur Umsetzung der Ideen oder für andere Projekte Teilnehmer anheuert. Abgabe bis 24. Dezember 2009.
  • Das Rechtliche (wie könnte eine Bank einen Wettbewerb ohne Legal Disclaimer ausschreiben?):
    • UBS behält sich vor, die besten Ideen zu verwenden. Allerdings nicht exklusiv, das heißt, man kann sie auch selbst weiterverwerten.
    • Beachtet werden müssen die strengen Gesetze zum Schutz des Bankgeheimnis für Schweizer Banken. Alle Kommunikation mit dem Kunden muss über bankinterne Kanäle abgewickelt werden. Weder können Bankauszüge per E-Mail versandt werden, noch kann man sich seinem Bankberater per Doodle oder Ähnlichem verabreden, da keine Daten über Kundenbeziehungen an Externe weitergeleitet werden dürfen.
    • Dieser Punkt sollte auch im Konzept auftauchen: Wie können unterschiedliche rechtliche Parameter in den Ländern, in denen UBS aktiv ist, bei der Implementierung von Web 2.0 Ideen von vorneherein miteinbezogen werden?
    • Auf jeden Fall den Disclaimer unterschreiben.

Die Gewinner werden beim nächsten Web Monday am 18. Januar 2010 bekannt gegeben. Weitere Unterlagen sind hier. Alles weitere bitte mit Dr. Andreas Hoffmann persönlich abklären: andreas.hoffmann[ät]ubs.com


22
Okt 09

Drüber gestolpert II

“An interesting detail in these figures is the stratification of income among different types of users: the average income of passive spectators of usergenerated content sites is significantly higher than the median income of content creators. In other words, the contingent of spectators and inactives, which is much larger than the 13 percent of actual creators, constitutes an appealing demographic to site owners and advertisers. […] Manifestos such as Wikinomics and ‘We-Think’ make one believe that, since every user is an active, creative contributor, the very idea of ‘consumer’ is definitely passé. The term ‘user’ turns out to be a catch-all phrase covering a wide range of behaviour, from merely clicking to blogging and uploading videos. Mass creativity, by and large, is consumptive behaviour by a different name.”

José Van Dijck and David Nieborg: “Wikinomics and its discontents: a critical analysis of Web 2.0 business manifestos”, In: New Media & Society 2009; 11; S. 861.


15
Jul 09

CNN und die Bürgerjournalisten

“Für uns ist es zwecklos, den Versuch zu unternehmen, das Internet in puncto Geschwindigkeit zu schlagen.” So fasst Frederik Pleitgen, CNN Korrespondent in Deutschland, die Lage des 24-Stunden Nachrichtenkanals zusammen. Anstatt die neuen Nachrichtenkanäle zu ignorieren, oder als bloße Verlängerung des eigenen Angebots zu behandeln, sollten Blogs, Micro-Blogs und soziale Netzwerke in den Prozess der Berichterstattung aufgenommen werden, so Pleitgen weiter im Interview.

Frederik Pleitgen war letze Woche Gast im Reporting America Seminar, das ich mitorganisiert habe. Bei der Gelegenheit haben wir ihm gleich ein paar Fragen zur CNN Strategie im Umgang mit dem Internet gestellt:

Beachtenswert finde ich, dass die Bürgerjournalisten nicht nur als Publikum betrachtet werden. Ihre Berichte sollen aktiv in den Nachrichtenredaktionen genutzt werden, um die Breite der verfügbaren Quellen zu erweitern. In diesem Kontext muss man auch iReport sehen – die von CNN bereitgestellte Webseite, auf der Bürgerjournalisten Beiträge veröffentlichen können. Natürlich kann diese Beziehung auch in die andere Richtung funktionieren, indem die Redaktionen durch Rückmeldungen auf den wesentlichen Plattformen größere Transparenz schaffen.

Die Frage bei der Einbindung von Bürgerjournalisten ist: Wie ernst werden die neuen Mitarbeiter genommen? Wenn CNN lediglich hofft, einige exklusive Fotos abschöpfen zu können, dann ist das eine sehr beschränkte Umsetzung der Möglichkeiten, die sich durch das Einbinden von Amateuren ergeben.

Vielversprechender sind Konzepte wie “Off The Bus“. 2007 hatte die Huffington Post und Journalismus-Vordenker Jay Rosen das Projekt gestartet, in dem Freiwillige ausgebildet und angeleitet wurden, um die US-Präsidentschaftswahlen journalistisch zu begleiten. So sollte die Kompetenz des Medienpartners mit dem Enthusiasmus der Amateur-Journalisten verbunden werden. Wie man die Herangehensweise auch beurteilen mag, “Off The Bus” hat Einfluss demonstriert. Am Ende fussten einige der brisantesten Momente im Wahlkampf auf den Berichten der Bürgerjournalisten.

Ireport hat bisher eher mit falschen Berichten über die Gesundheit von Steve Jobs Schlagzeilen gemacht. Aber gut, immerhin öffnet sich CNN via Twitter und anderswo der Netzgemeinde. Ganz zu schweigen vom Druck, den die Watchblogs und Medienblogger auf die alltägliche Arbeit der CNN-Journalisten ausüben, wie Pleitgen auch im Gespräch erwähnt.


11
Jul 09

Obama auf Berlusconis Spuren?

Heute: ein weiteres Lehrstück über die verzerrte Nachrichtenwahrnehmung in der amerikanischen Presselandschaft. Der Drudge Report, eine Linksammlung mit Hang zum konservativen Weltbild, macht heute mit einem Foto von Obama beim G8-Gipfel in Italien auf. Der US-Präsident scheint unisono mit dem Französischen Premierminister Sarkozy das Hinterteil einer jungen Gipfelteilnehmerin mit den Augen zu vermessen. Was ist aus dem Gentleman-Präsidenten geworden?

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Aber keine Angst, demnächst dürften keine Party-Fotos mit halbnackten Schönheiten und vollkommen nackten älteren Herren aus Obamas Privat-Villa die Öffentlichkeit erreichen (falls Obama überhaupt eine Privatvilla besitzt). Soweit ist die Berlusconisierung von Obama nicht fortgeschritten. Die Fernsehkameras haben denselben Moment nämlich auch festgehalten. Und da kommt Obama erheblich besser weg, im Gegenteil zu Sarkozy.

Megan Garber zeigt sich im Columbia Journalism Review nicht weiter überrascht, dass Matt Drudge keine Gelegenheit verstreichen lässt, dem demokratischen US-Präsidenten eins auszuwischen. Perspektive ist eben alles.


27
Jan 09

Öffentlich-Rechtliche Filmförderung konsequent zu Ende gedacht

Das Kanadische National Film Board macht seit dieser Woche Filme frei zugänglich auf seiner Website, die durch die Institution (mit)finanziert wurden.

Im Archiv sind über 700 Spielfilme, Dokumentationen, Zeichentrickfilme und Nachrichtensendungen zu finden. Zum Beispiel “Carts of Darkness” – eine Doku über den neuen Extrem-Sport Einkaufswagenreiten, der Pfandflaschensammeln mit Einkaufswagen einen Hügel runter rasen verbindet. Leider ist Berlin dafür etwas zu flach.

Das Film Board besteht seit 1939, dementsprechend umfangreich und abwechselnd ist die Auswahl. Die Öffentlichkeit hat es bezahlt, also gehört es konsequenterweise doch auch nur in die Öffentlichkeit, und zwar frei zugänglich. Fein getrennt nach englisch- und französischsprachigen Filmen, dafür ist man sich in Kanada ja nie zu schade.