Gedrucktes


3
Mai 11

Times-Doku: “Page One: Inside The New York Times”

Wer schon immer mal davon geträumt hat, bei der New York Times zu arbeiten, der kann sich bald im Kino anschauen, was die Times-Reporter den ganzen Tag so machen. “Page One: Inside The New York Times” ist eine Doku, die ein Jahr Zeitungmachen beim Flagschiff des amerikanischen Qualitätsjournalismus in 90 Minuten kondensiert.

Der Film von Regisseur Andrew Rossi ist für jeden ernsthaften Medien-Junkie ein Muss. Alleine schon, weil man dem Medienreporter David Carr dabei über die Schulter blickt, wie er den Untergang der gedruckten Presse in den USA aufzeichnet, während die Zeitung für die er schreibt, selbst ohne Sicht durch den Medienwandel navigieren muss.

Ab 24. Juni in den USA in den Kinos, und dann hoffentlich bald auch bei uns zu sehen: “Page One”.

via (i-ref)


12
Apr 10

Womit schlägt der Fischhändler in Zukunft bloß seine Ware ein?

(via Thomas Knüwer)


4
Nov 09

Krise? Welche Krise?

Daniel Gross argumentiert auf Slate.com, dass die Krise der Tageszeitungen in den USA im Moment vor allem zyklisch verschärft wird. Sobald sich das Konsumklima wieder dreht, könnten sich die Kostensenkungen und die gesteigerte Profitabilität in wachsenden Gewinnen niederschlagen.

Innerhalb des letzten Jahres hätten einige Zeitungsunternehmen den turn-around geschafft. Sie haben ihre Abhängigkeit vom Werbemarkt durch gesteigerte Erträge aus dem Geschäft mit Abonnements und Einzelverkäufen reduziert. Und dass, obwohl gleichzeitig die Auflagen gefallen sind. Ein Beispiel liefert die New York Times, schreibt Gross:

“So in the past six months, according to ABC, the New York Times daily circulation fell 7.3 percent, while Sunday circulation was down 2.7 percent. Horreur! And yet, the New York Times Co. reported that in the third quarter, ‘circulation revenues rose 6.7 percent, mainly because of higher subscription and newsstand prices at The New York Times and The Boston Globe.’ In the quarter, circulation revenues were larger than advertising revenues for the first time—$175.25 million, compared with $164.5 million.”

Steile These. Dass die New York Times die Erträge aus dem Lesermarkt steigern konnte, ist natürlich eine gute Nachricht. Leider muss man im selben Geschäftsbericht auch lesen, dass die Einnahmen aller Geschäftsbereiche um 16,9% gefallen sind. Das heißt, die gesteigerte Ertragsfähigkeit im Lesermarkt kann den Absturz der Werbeinnahmen nicht ausgleichen.

Die Frage ist darum: welchen Anteil hat der zyklische Wirtschaftsabschwung am Rückgang der Auflage? Ryan Chittum (CJR Blog) hat dazu eine klare Meinung: Die Leser kommen nicht mehr wieder, selbst wenn der Aufschwung da ist. Denn:

“[T]his is a cyclical downturn on top of a secular one, and the circulation declines are far greater than any on record going back to early World War II.”

Historische Auflagen der US-Zeitungen – Für Vergrößerung klicken

Die Leserschaft der Zeitungen ist in den USA schon lange vor der Wirtschaftskrise 2008/2009 zurückgegangen. 1940 ist das einzige Jahr, in dem die Zahlen der NAA tiefer sind als 2009 – in diesem Jahr begann die NAA mit der Auflagenzählung. Die langfristigen Verschiebungen durch Digitalisierung und veränderte Nutzungsgewohnheiten werden durch die aktuelle Krise beschleunigt. Es gab schon vor der Wirtschaftskrise eine Zeitungskrise. Das ist nicht wirklich umstritten.

Das Problem dabei ist einfach, dass die US-Zeitungen pro Leser mehr Umsatz mit Anzeigen gemacht haben, als mit dem Vertrieb (CJR schätz grob, dass pro Dollar aus dem Vertrieb, drei bis vier Werbe-Dollar in die Kassen geflossen sind). Will man bei weniger Lesern zu früheren Umsätzen zurück, muss man den Umsatz aus dem Vertrieb um einen ungleich höheren Faktor steigern. Bei einem 3:1 Verhältnis von Werbungs- zu Vertriebserlösen und einem gleichzeitigen Auflagenrückgang um 10% beispielsweise um ganze 44% (eigene Berechnung).

Deswegen lassen sich die Werbeumsätze kaum mit Vertriebsumsätzen aufwiegen, zumal die meisten Einsparungspotentiale auf der Kostenseite bereits ausgeschöpft sind. Irgendwer muss schon noch im Newsroom das Licht an- und ausmachen. Man kann natürlich auch die Zeitung verteuern, was aber meist einen Auflagenrückgang mit sich bringt.

Ergo? Mehr Umsätze aus dem Vertrieb können nur ein Teil der Lösung sein. Wenn man ausschließlich die Erlösstruktur betrachtet, kommt man dem Problem der Zeitungen nicht nah genug. Das Geschäftsmodell der Zeitungen steht auf allen Ebenen zur Disposition: Vom Nutzenversprechen, über die Zusammenstellung und Distribution der Inhalte, bis zum Erlösmodell. Das sollten alle Lösungsansätze zumindest anerkennen.

UPDATE:

Das Wall Street Journal sieht die Sache ähnlich. Wie dringend das Problem ist, zeigt der Auflagenverlauf der großen Tageszeitungen in den USA in den letzten zehn Jahren (via The Guardian):

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US newspaper circulation graph. Illustration: The Awl (from Audit Bureau of Circulations data)


14
Okt 09

Drüber gestolpert I

“Wenn man sich die deutsche Zeitungslandschaft anschaut, wie sie sich in den Zahlen von Schütz (2001) spiegelt, wird das Ausmaß deutlich, in dem durch Produktdifferenzierung der Eindruck von Vielfalt entsteht: 136 Publizistische Einheiten mit jeweils unterschiedlichem aktuell-politischen Nachrichten- und Informationsteil auf den ersten Seiten werden von 356 Verlagen als Herausgebern zu 1584 Ausgaben für ganz Deutschland gespreizt, indem Titel, Lokal- und Regionalteile variiert werden.”

– Prof. Dr. Marie Luise Kiefer, “Medienökonomik”, Oldenbourg: München, 2005, S. 95.


7
Okt 09

Lustige Ideen von der Weihnachtsfeier

Wenn Kulturkritiker selbst zur Klampfe greifen, schreiben dann die Musiker die Verrisse?

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Nein, das ist kein Witz. Ja, die Medienkrise fordert von jedem ein Opfer. Demnächst: der Sport-Redakteur jongliert Fußbälle auf der Bühne, das Politik-Ressort macht satirisches Kabarett, der Kolumnist gibt Lebenshilfe-Tipps. Und das Feuilleton schreibt: “Unbedingt empfehlenswert.”

Und was sagt der Rheinische Merkur zum Liebeslieder-Abend? „Noch nie ist das Hohe Lied der Liebe so tief gefallen.“

(via Medienspiegel via Edition Epoca)


29
Sep 09

Mit spitzer Kreide

Die gesamte Ausgabe der Daily Talk, Monrovia, Liberien. Photo by: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Monrovia_news_board_2008.jpeg

Monocle hat eine wunderschöne Story über die liberianische Zeitung The Daily Talk, die täglich eine vierstellige Zahl an Lesern mit nur einer einzigen Ausgabe erreicht. Der Reporter, Redakteur und Geschäftsleiter in Personalunion Alfred Sirleaf schreibt jede Ausgabe Buchstabe für Buchstabe auf eine Kreidetafel nahe einer belebten Strasse.

Die englische Wikipedia weiß folgendes zu berichten:

The founder, managing editor and sole employee of the Daily Talk is Alfred J. Sirleaf, who is reported to have founded his blackboard newspaper because of his belief that a well-informed citizenry is the key to the rebirth of Liberia after years of civil war. He compiles his stories daily from newspaper reports and messages by volunteer correspondents. The Daily Talk is free to read, and is funded by occasional gifts of cash and pre-paid cellphone cards. It even has its own suggestion box for its readers and followers.

Und das beste: Es funktioniert! Laut der New York Times ist The Daily Talk die am meisten gelesene Informationsquelle in Monrovia, Liberias Hauptstadt.


11
Jun 09

Da prallen Welten aufeinander

Wenn die Daily Show die New York Times besucht, muss man fast ein bißchen Mitleid haben mit den armen Zeitungsredakteuren. Sachlich abgewogen, alle Seiten bedenkend, dröge und langweilig kommen die NYT-Macher daher, so will es zumindest die Daily-Show-Dramaturgie.

“Zeig mir eine Nachricht hier drinnen, die von heute ist.”

Andererseits beweist die Tatsache, dass die Daily Show überhaupt in die Redaktionsräume durfte, dass die New York Times mehr Humor hat, als man ihr gemeinhin zutraut.

The Daily Show With Jon Stewart Mon – Thurs 11p / 10c
End Times
thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political Humor Newt Gingrich Unedited Interview

UPDATE: Der New York Times Chefredakteur Bill Keller ist mit dem eigenen Auftritt auch nicht zufrieden, und sagt, das war’s: “Well, that’s the last time I try to be a good sport. Even my wife told me that I looked faintly ridiculous, and she was trying to make me feel better. Among the people who would miss us most would be the wise-guy pundits and scriptwriters for satirical TV shows, because they riff on the news we produce.”

(via CJR)


17
Feb 09

Präventive Berichterstattung

Ende Januar hat Carlos Slim, der reichste Mann Mexikos, der New York Times Gruppe mit einer kräftigen Finanzspritze von 250 Mio. US$ auf die Beine geholfen. Die Unterstützung vergrößerte seine Beteiligung an der Gruppe auf über 16%. Da der Industrie-Mogul nicht unbedingt für eine transparente Kommunikationsstrategie bekannt ist, warf das sofort die Frage nach seinem etwaigen Einfluss auf die Berichterstattung über seine Person auf.

Um gleich klarzustellen, dass weiterhin kritische Nachfragen zu Slims Geschäftsgebahren erlaubt sein werden, hat die New York Times in einem Präventivschlag ein kürzeres, dafür aber nicht unbedingt positives Porträt ihres neuen Anteilseigners veröffentlicht.

Dabei zielen einige Kritikpunkte an der Partnerschaft gar nicht auf die Berichterstattung, die erwartungsgemäß unvoreingenommen daherkommt, sondern auf die Partnerschaft selbst. Wenn nämlich eine respektierte Institution mit dem von ihr selbst einst als “Räuber-Baron” betitelten jetzt Geschäfte macht, kann das nur als eine Rehabilitierung in seinem Heimatland aufgefasst werden. Mehr dazu von Andres Martinez im Interview mit On The Media (mit dem tollen Titel “The Real Slim Shady”):

BROOKE GLADSTONE: “You write that even if and when Slim is inevitably criticized by The Times again, he’ll win again. How so?”

ANDRES MARTINEZ: “That’s right. I think it’s a win-win proposition for him. The greatest benefit for him is it legitimizes him. It gives him a Good Housekeeping Seal of Approval within Mexico. It’s the same reason that foreign tycoons give to the Clinton Foundation, that they go to Davos; it’s the same reason Andrew Carnegie built libraries. It diffuses any criticism within Mexico, because if The New York Times, of any institution, will partner up with Carlos Slim, he must be okay.”

“And to the extent that there is negative coverage of him or the lack of any kind of antitrust regulation in Mexico going forward, he can then really brag about the fact that even this newspaper that he basically is in the process of saving can take shots at him.”


16
Jan 09

Gedruckte Zeitungen sind museumsreif

Die bevorstehende New York Times Ausgabe zu Barack Obamas Vereidigung als neuer Präsident der U.S.A. kann man sich jetzt schon auf Ebay sichern, für nur 25 Dollar.

Gedruckte Zeitungen waren schon nach Obamas Wahlsieg als Reliquie gefragt. Die meisten Zeitungshändler waren damals morgens ausverkauft, und auf Ebay erzielte die New York Times Ausgabe vom 5. November 2008 mehrere hundert Dollar.

Bis die Leute dann festgestellt haben, dass man sich alte Ausgaben für ein paar Dollar weniger vom New York Times Verlag zuschicken lassen kann. Wahrscheinlich mit ein Grund, warum sich kein Bieter für obige Auktion gefunden hat.

(via Gawker)

Update

Washington Post & Co sorgen sorgen schon mal vor und lassen am 21. Januar die Druckerpressen heiß laufen, schreibt Bloomberg. So soll verhindert werden, dass es wieder zu Engpässen kommt, wie am 5. November. Und auf ein gutes Geschäft können die Zeitungshäuser im Moment auch nicht verzichten.

Die Washington Post wird zwei Dollar anstatt 75 Cents kosten, die Auflage wird fast verdreifacht. In New York läßt man es etwas ruhiger angehen, von der Times werden nur dreiviertel mal mehr Kopien gedruckt werden. Wie auch andere Zeitungen nutzen die Times und USA Today die Chance, einfach eine spezielle Erinnerungsnummer auf den Markt zu werfen.

Washington Post Co.’s flagship newspaper will publish 1.7 million copies in four editions on Jan. 20 and the following day, to be sold at newsstands, vending machines and by hawkers on the street, said its spokeswoman, Maria Cereghino. The newspaper, which typically prints 589,000 weekday editions, will also raise its newsstand price to $2 from 75 cents on those days.

New York Times Co. will print a commemorative Sunday magazine on Jan. 18, raise the print run of its namesake title by about 75 percent to 2.2 million on Jan. 21 and sell newspapers out of its Manhattan headquarters lobby, according to its spokeswoman, Diane McNulty.

Gannett Co., the country’s largest newspaper publisher, is selling through Feb. 2 a 48-page tabloid-style USA Today edition titled “Obama: The Historic Journey” for $4.95, said Tara Connell, a spokeswoman at the McLean, Virginia-based company. The edition features maps, speech excerpts and special coverage.