CNN und die Bürgerjournalisten

„Für uns ist es zwecklos, den Versuch zu unternehmen, das Internet in puncto Geschwindigkeit zu schlagen.“ So fasst Frederik Pleitgen, CNN Korrespondent in Deutschland, die Lage des 24-Stunden Nachrichtenkanals zusammen. Anstatt die neuen Nachrichtenkanäle zu ignorieren, oder als bloße Verlängerung des eigenen Angebots zu behandeln, sollten Blogs, Micro-Blogs und soziale Netzwerke in den Prozess der Berichterstattung aufgenommen werden, so Pleitgen weiter im Interview.

Frederik Pleitgen war letze Woche Gast im Reporting America Seminar, das ich mitorganisiert habe. Bei der Gelegenheit haben wir ihm gleich ein paar Fragen zur CNN Strategie im Umgang mit dem Internet gestellt:

Beachtenswert finde ich, dass die Bürgerjournalisten nicht nur als Publikum betrachtet werden. Ihre Berichte sollen aktiv in den Nachrichtenredaktionen genutzt werden, um die Breite der verfügbaren Quellen zu erweitern. In diesem Kontext muss man auch iReport sehen – die von CNN bereitgestellte Webseite, auf der Bürgerjournalisten Beiträge veröffentlichen können. Natürlich kann diese Beziehung auch in die andere Richtung funktionieren, indem die Redaktionen durch Rückmeldungen auf den wesentlichen Plattformen größere Transparenz schaffen.

Die Frage bei der Einbindung von Bürgerjournalisten ist: Wie ernst werden die neuen Mitarbeiter genommen? Wenn CNN lediglich hofft, einige exklusive Fotos abschöpfen zu können, dann ist das eine sehr beschränkte Umsetzung der Möglichkeiten, die sich durch das Einbinden von Amateuren ergeben.

Vielversprechender sind Konzepte wie „Off The Bus„. 2007 hatte die Huffington Post und Journalismus-Vordenker Jay Rosen das Projekt gestartet, in dem Freiwillige ausgebildet und angeleitet wurden, um die US-Präsidentschaftswahlen journalistisch zu begleiten. So sollte die Kompetenz des Medienpartners mit dem Enthusiasmus der Amateur-Journalisten verbunden werden. Wie man die Herangehensweise auch beurteilen mag, „Off The Bus“ hat Einfluss demonstriert. Am Ende fussten einige der brisantesten Momente im Wahlkampf auf den Berichten der Bürgerjournalisten.

Ireport hat bisher eher mit falschen Berichten über die Gesundheit von Steve Jobs Schlagzeilen gemacht. Aber gut, immerhin öffnet sich CNN via Twitter und anderswo der Netzgemeinde. Ganz zu schweigen vom Druck, den die Watchblogs und Medienblogger auf die alltägliche Arbeit der CNN-Journalisten ausüben, wie Pleitgen auch im Gespräch erwähnt.

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1 comment

  1. Andreas Boie, der für die Sueddeutsche bloggt, hat unser Video auch entdeckt: http://blogs.sueddeutsche.de/schaltzentrale/2009/09/14/lesenswertes-2/